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9Harley-Davidson ist startklar für 2018
mid Barcelona - Klassische Optik, aber mit neuen Rahmen, neuen Motoren und neuen Fahrwerken: das Harley-Davidson Softail-Lineup des Modelljahres 2018. Harley-Davidson
MOTORRRAD
Lars Döhmann - 26. September 2017, 11:21 Uhr MOTORRRAD

Harley-Davidson ist startklar für 2018

Alles für die Freiheit, Freiheit für alle! So lautet ein Credo der amerikanischen Kult-Motorradmarke Harley-Davidson. Harley steht für mehr als Motorradfahren, es ist auch eine Weltanschauung. Dabei hat sich die Marke mit dem jetzt präsentierten, neuen Jahrgang praktisch völlig neu erfunden: mit einem neuen Rahmen, neuen Motoren und neuen Fahrwerken.


Alles für die Freiheit, Freiheit für alle! So lautet ein Credo der amerikanischen Kult-Motorradmarke Harley-Davidson. Harley steht für mehr als Motorradfahren, es ist auch eine Weltanschauung. Dabei hat sich die Marke mit dem jetzt präsentierten, neuen Jahrgang praktisch völlig neu erfunden: mit einem neuen Rahmen, neuen Motoren und neuen Fahrwerken.

"Cruiser sind unser Kerngeschäft. Da geht es um Gefühle", erklärt Peter Michael Keppler, Direktor für Produktplanung bei Harley-Davidson, die Motivation für die Neuerungen. "Wir haben uns den Markt durch die Augen der Nutzer angeschaut. So sind wir zu den neuen Softail-Modellen gekommen."

Softail? Optisch sieht der Fahrzeugrahmen ähnlich wie ein alter Starrrahmen aus, doch es gibt natürlich eine gefederte Schwinge hinten. Gleichzeitig hat der Hersteller das Modellangebot komplett überarbeitet. Herausgekommen sind leichtere, schnellere Maschinen mit einem dramatisch verbesserten Handling. Die überarbeiteten Fahrwerke stecken die Mehrleistung der neuen Triebwerke souverän weg. So ist der neue Rahmen 34 Prozent steifer als bisher, wobei das klassische Aussehen beibehalten wurde.

"Im Prinzip haben wir mit einem weißen Blatt Papier angefangen", beteuert Kirk Rasmussen, der bei Harley für das Styling verantwortlich zeichnet. Ihm war die Ästhetik besonders wichtig. Dabei durften die Traditionalisten unter den Markenfans nicht verprellt werden. Das scheint rundum gelungen zu sein. Und obwohl nun die Mehrheit der amerikanischen Big Twin-Bikes mit dem gleichen Rahmen ausgerüstet ist, strahlen alle Modelle einen ganz individuellen Charakter aus.

Für erste Probefahrten im Hinterland von Barcelona standen zunächst nur vier dieser neuen Maschinen zur Verfügung. Die Breakout (ab 21.595 Euro) steht lang und schwer auf den Rädern - das Vorderrad weist das ungewöhnliche Format 150/80-17 auf, das Hinterrad hat eine üppige Breite von rund 240 Millimetern. Das macht Kurvenfahren nicht gerade mühelos, und auch das Aufstellmoment beim Bremsen ist deutlich, doch so hat das Bike eine charakterstarke Ausstrahlung. Der flache, breite Lenker ist nur milde gekröpft. Mit lang gestreckten Armen und relativ weit vorn angeordneten Fußrasten passt sie nicht für Jedermann. Doch die neue Breakout lässt sie sich um Klassen einfacher beherrschen als ihr Vorgänger.

Leichter zu fahren und mit mehr Schräglagenfreiheit als bisher - das gilt auch für die Street Bob (ab 14 495 Euro) des Jahrgangs 2018. 1,85 Meter große Fahrer müssen sich wie ein Klappmeser falten, wenn sie losfahren wollen. Über den hohen Lenker bekommt der Fahrer das Bike aber gut in den Griff. In Kurven setzen seitliche Bauteile nicht mehr so früh auf dem Boden auf wie bisher.

Ergonomisch für Fahrer der erwähnten Größe passt die Fatbob (ab 17 895 Euro) auf Anhieb ausgezeichnet. Die Lenkerenden und die Hände finden spontan zusammen, der Knieschluss am Tank fördert sofort großes Vertrauen in die Maschine. Als erhebliche Verbesserung zu erkennen ist die einfache Erreichbarkeit der Justierung von Federvorspannung der Hinterradfederung wie bei weiteren Modellen des Jahrgangs: Über einen Drehknopf rechts an der Seite ist sie ohne Werkzeug einzustellen.

Dieses Merkmal hat die neue Heritage (ab 22 595 Euro) nicht. Da haben die Entwickler für die Beibehaltung eines möglichst klassischen Looks die Verstellmöglichkeit unter der Sitzbank versteckt. Das Motorrad fährt sich trotz seines wuchtigen Aussehens erfreulich spielerisch. Die Trittbretter bekommen schnell Bodenkontakt, sind aber klappbar. Gegen flottes Kurvenräubern spricht also wenig - auch dank des vergleichsweise schmalen 150er-Hinterreifens.

Für diese und alle anderen Harleys gilt, dass die Listenversion nahezu unendlich individuell verändert werden kann - ab Werk mit voller Garantie und finanzierbar. Wer also beispielsweise mit der Lenkerkröpfung eines Modells nicht klarkommt, sucht sich den passenden Lenker aus und lässt ihn im Tausch montieren. Auch bei der Farbgebung kennt das Unternehmen aus Milwaukee praktisch keine Grenzen. Der rund 1.000 Seiten dicke Zubehörkatalog sollte schließlich keinerlei Wünsche offen lassen.

Insgesamt bietet Harley-Davidson im Modelljahr 2018 in Deutschland 26 Serienmodelle, drei aufwendig individualisierte CVO Sondermodelle und zwei Trikes an. Neu sind pünktlich zum 115. Firmenjubiläum die zehn limitierten Anniversary-Ausführungen. Die Basisversionen der Road Glide und Street Glide sind nun auch in Europa erhältlich. Nicht mehr im Portfolio vertreten sind die Modelle Sportster 1200 Custom Limited Edition B, Wide Glide und Fat Boy Special. Die vormals als Dyna-Modelle angebotenen Typen Street Bob, Low Rider und Fat Bob basieren jetzt auf der neuen Softail-Plattform. Die bisherigen Baureihen Softail und Dyna wurden also miteinander vereint.

Während in der Softail-Familie alles neu ist, erhielt die Sportster-Familie neben einem Jubiläumsmodell vor allem Modellpflege. In der Touring-Familie wurden die Street Glide und die Road Glide umfassend überarbeitet. Auch hier gibt es Jubiläumsversionen und Modellpflege, etwa für die Street Gilde. Der Milwaukee-Eight 107 Motor mit 1.745 ccm Hubraum (107 Kubikinch), der 2017 sein Debüt in der Touring-Baureihe feierte, kommt jetzt auch in diesen neuen Softail-Modellen zum Einsatz, wo er die bislang verwendeten Motoren der Twin Cam-Generation ablöst. Der Motor leistet 64 kW/87 PS bei 5.020 U/min und erreicht bei 3.000 U/min sein Drehmomentmaximum von bulligen 145 Newtonmeter. Darüber hinaus verfügt die neue Plattform der Softtail unter anderem über einen vollkommen neu konstruierten Rahmen und Schwingen sowie über neue Gabeln und Federbeine.

Auf der Softail-Basis gibt es die Baureihe "Street" mit der Street 750 und der Street Rod, "Sportster" mit den Versionen Superlow, Iron 883, 1200 Custom, Roadster, Forty-Eight, 115th Anniversary Forty-Eight und Superlow 1200T. Noch größer ist die Zahl der Bikes, die als "Softail" daherkommen: Street Bob, Fat Bob, Fat Bob 114, Low Rider, Breakout, Breakout 114, 115th anniversary Breakout 114, Softtail Slim, Fat Boy, Fat Boy 114, 115th Anniversary Fat Boy, Deluxe, Heritage Classic, Heritage Classic 114 und 115th Anniversary Heritage Classic 114. Der Motor mit 114 Cubic inch, 1.868 ccm, leistet 69 kW (94 PS) bei 5020 /min und liefert als maximales Drehmoment satte 155 Nm bei 3000 /min.

Schließlich ergänzt die Baureihe "Touring" das Angebot. Auch hier ist die Auswahl groß bis unübersichtlich: Road King, Road King Classic, Road King Special, Street Glide, 115th Anniversary Street Glide Special, Ultra Limited, 115th Anniversary Ultra Limited, Ultra Limited Low, Road Glide, Road Glide Special, Road Glide Ultra.

Vier der neuen Softail Modelle sind nicht nur in der Version mit Milwaukee-Eight 107, sondern zusätzlich in einer Version mit dem besonders kraftvollen Milwaukee-Eight 114 mit 1.868 Kubikzentimetern Hubraum (114 Kubikinch) erhältlich. Die neuen Motoren laufen im Standgas ruhiger als es bisher der Fall war: Der bullige V-Zweizylinder ist egal in welcher Ausbaustufe akustisch kaum von einem japanischen Reihenvierzylinder zu unterscheiden. Unter Last ändert sich das nachdrücklich, auch wenn die Serienauspuffanlagen sicher nicht allen Geräuschanforderungen der Fans gerecht werden.

Auf den beschriebenen Neuerungen will sich Harley-Davidson nun keinesfalls ausruhen. In den nächsten zehn Jahren will das Unternehmen 100 neue Modelle und Versionen auf den Markt bringen. Wenn es so weitergeht wie beim Jahrgang 2018 verspricht das eine großartige Zukunft - für die Marke und die Biker.

Lars Döhmann / mid

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRRAD wurde von Lars Döhmann am 26.09.2017, 11:21 Uhr veröffentlicht.