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2mid-Interview: Renault entdeckt das deutsche Lebensgefühl
mid Groß-Gerau - Alles im Griff: Uwe Hochgeschurtz lenkt erfolgreich die Geschicke von Renault in Deutschland. Renault
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Ralf Loweg - 5. Oktober 2017, 13:21 Uhr OLDTIMER

mid-Interview: Renault entdeckt das deutsche Lebensgefühl

Vor 110 Jahren wurde mitten in Berlin die erste Renault-Niederlassung außerhalb Frankreichs eröffnet. Mit Chic und reichlich Charme hat der Hersteller längst die Herzen vieler deutscher Autofahrer erobert. Im mid-Interview erinnert Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz an die Meilensteine der Marke und spricht über die Bedeutung der Elektromobilität.


Vor 110 Jahren wurde mitten in Berlin die erste Renault-Niederlassung außerhalb Frankreichs eröffnet. Mit Chic und reichlich Charme hat der Hersteller längst die Herzen vieler deutscher Autofahrer erobert. Im mid-Interview erinnert Renault-Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz an die Meilensteine der Marke und spricht über die Bedeutung der Elektromobilität.

mid: Renault Deutschland wird in diesem Jahr 110 Jahre alt. Welche Meilensteine fallen Ihnen da auf Anhieb ein?
Uwe Hochgeschurtz: Ja, in der Tat, 2017 ist für Renault ein besonderes Jahr. Vor genau 110 Jahren, am 17. Oktober 1907, gründete Louis Renault mitten in Berlin die erste Renault-Niederlassung außerhalb Frankreichs. Über sieben Millionen Autos hat Renault seitdem bis heute in Deutschland verkauft. Und fast 2,5 Millionen Renaults rollen derzeit auf der Straße. Kein anderer ausländischer Hersteller ist so lange auf dem deutschen Markt erfolgreich präsent wie Renault. Meilensteine fallen mir viele ein. Dazu zählen legendäre Fahrzeuge wie der 4 CV in den 50er Jahren und später in den 60er Jahren der R16, dann in den 70er Jahren der R4 oder der R5. In den 80er und 90er Jahren dann haben der Espace, der Twingo oder der Scénic erneut völlig neue Segmente begründet. Renault - das war und ist für viele Deutsche auch ein Stück Lebensgefühl. Ob früher als "Autos zum Leben" oder heute mit unserem Slogan "Passion for Life" - Renault bietet Fahrzeuge für jede Lebenssituation - praktisch, zuverlässig, erschwinglich und emotional. Dafür steht in herausragender Weise die aktuelle, sehr attraktive und erfolgreiche Palette mit jeder Menge neuer Modelle wie zum Beispiel dem neuen Koleos oder dem Captur.

mid: Renault ist einem Millionen-Publikum auch durch die Formel 1 bekannt. Wie wichtig ist der Motorsport für die Marke?
Uwe Hochgeschurtz: Motorsport liegt Renault sozusagen in den Genen und hat für die Marke eine zentrale Bedeutung. Seit 1899, also fast genauso lange wie Renault existiert, betreiben wir Motorsport. Bereits die Gründerväter Louis und Marcel Renault erkannten: Rennsiege bringen technisches Know-how und Renommee. So starteten sie parallel zu ihrer Tätigkeit als Automobilkonstrukteure und Unternehmer eine erfolgreiche Karriere als Rennfahrer und gewannen eine Reihe damals sehr prestigeträchtiger Rennen. Damit steigerten sie den Bekanntheitsgrad ihres Unternehmens schlagartig. Herausragend in der Bedeutung ist sicherlich der Renault Sieg beim ersten Grand Prix der Geschichte am 27. Juni 1906. Die vorläufige Bilanz: zwölf Konstrukteurs- und elf Fahrertitel in der Formel 1, sechs Siege bei der Rallye Monte Carlo sowie Triumphe bei der Rallye Paris-Dakar und den 24 Stunden von Le Mans. Mit dem aktuellen, 2016 begonnenen neuen Engagement als Formel 1 Werksteam wollen wir in den nächsten Jahren an die Erfolge anknüpfen. Ganz wichtig ist für uns auch dabei, dass unser Motorsport-Engagement auch Niederschlag in Serienmodellen findet. Jüngstes Beispiel ist der neue Mégane R.S., der als Kompaktsportler 2018 auf den Markt kommen wird.

mid: Alternative Antriebe sind das bewegende Auto-Thema. Welchen Stellenwert hat die Elektromobilität bei Renault?
Uwe Hochgeschurtz: Einen sehr hohen. Wir sind Pionier und Vorreiter im Bereich der rein batteriebetriebenen Fahrzeuge und haben uns bereits 2009 eindeutig auf diesem Gebiet positioniert. Heute sind wir sehr stolz, dass Renault die Nummer eins in Deutschland bei Elektrofahrzeugen ist. Keine andere Marke verkauft hierzulande so viele E-Autos Fahrzeuge wie Renault, unser Marktanteil liegt bei über 20 Prozent. Zusammen mit Nissan liegt unser Weltmarktanteil bei rein batteriebetriebenen Fahrzeugen bei fast 50 Prozent. Unser elektrischer Bestseller ist der Kleinwagen Renault Zoe. Dabei ist der Zoe das meistverkaufte Elektrofahrzeug in Deutschland. Bis Ende Juli haben wir bereits mehr Zoe verkauft als im gesamten Jahr 2016. Natürlich wollen wir unsere gute Position halten und machen weiter Tempo. Bis 2022 wird die Allianz Renault-Nissan weltweit zwölf neue Elektrofahrzeuge einführen.

mid: Vielen Menschen ist das E-Auto zu teuer und die Reichweite zu gering. Welche Lösungen bietet da Renault an?
Uwe Hochgeschurtz: Bei Renault gibt es hohe Reichweiten und bezahlbare Preise. Unser Ansatz lautet: Elektromobilität muss erschwinglich und alltagstauglich sein. Das ist ein zentraler Grund unseres Erfolges. Der Zoe beispielsweise ist in der Basisversion mit der 33 kWh-Batterie in Deutschland unter Berücksichtigung der Elektroprämie bereits für 17.100 Euro zuzüglich Batteriemiete zu haben. Und auch um die Reichweite braucht sich der Kunde immer weniger Sorgen zu machen. So bieten wir seit einem Jahr den Zoe auch mit der neuen Z.E. 40 Batterie mit 41 kWh Kapazität an, die den Aktionsradius auf bis zu 400 Kilometer Normreichweite erhöht, das sind im normalen Fahrbetrieb bis zu 300 Kilometer. Auch der Kangoo ZE, unser Elektro-Lieferwagen, ist seit kurzem mit mehr Reichweite zu haben. Dann kommt noch 2017 unser Transporter Master erstmals mit Elektroantrieb.

mid: Was fehlt noch, um dem Elektroauto in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen?
Uwe Hochgeschurtz: Sicher gibt es bei der Ladeinfrastuktur noch Nachholbedarf. Aber die Situation verbessert sich von Tag zu Tag, die Zahl der Ladestationen wächst. Ich finde es gut und richtig, dass es ein Anschubprogramm der Bundesregierung gibt, mit dem der Bau von Ladesäulen unterstützt wird.

mid: Was hat Renault bei den alternativen Antrieben noch in der Pipeline?
Uwe Hochgeschurtz: Wir bieten Mobilität für alle und dieses Mobilitätsangebot kann unterschiedlich sein. Sofern es der Bedarf erfordert, bieten wir auch andere Antriebskonzepte an. So haben wir ja beispielsweise den Scénic auch als Mildhybrid. Durch die Allianz mit Nissan und Mitsubishi sind wir hier in der Lage, sehr flexibel zu agieren.

mid: Jahrelang hat der Diesel vielen Millionen Autofahrern treue Dienste geleistet - und jetzt steht er am Pranger. Sind die Tage des Diesel gezählt?
Uwe Hochgeschurtz: Nein, davon gehe ich nicht aus. Natürlich steht der Diesel zurzeit sehr unter Druck. Aber ich bin sicher, dass der Antrieb in jedem Fall weiter eine wichtige Rolle spielen wird. Der moderne Diesel ist ein sehr effizienter und leistungsfähiger Motor, den es noch Jahrzehnte geben wird. Daher arbeiten wir weiter an allen Antriebsarten inklusive Diesel.

mid: Worauf legen deutsche Kunden beim Kauf eines Renault besonderen Wert?
Uwe Hochgeschurtz: Unsere Kunden schätzen die Kombination aus erschwinglichem Preis, moderner Technik, ansprechendem Design und hohem Praxisnutzen. Sie wissen: ein Renault sieht gut aus, ist bezahlbar, bietet jede Menge Platz und viele Lösungen, die dem Kunden das Leben einfacher machen. Wir nennen das "Easy Life".

mid: Stichwort autonomes Fahren und Vernetzung? Wie sieht die Zukunft des Automobils bei Renault aus?
Uwe Hochgeschurtz: Klar ist: die Zukunft des Autos ist elektrisch, autonom und vernetzt. Renault ist in allen drei Felder sehr aktiv unterwegs. Elektrische Fahrzeuge bieten wir schon heute. Darüber hinaus laufen zahlreiche Pilotprojekte zum autonomen und vernetzten Fahren, hier natürlich vor allem in unserem Heimatmarkt Frankreich. Und wir machen weiter Tempo. Bestes Beispiel: Unser in Frankfurt präsentiertes Concept Car Symbioz. Der Symbioz zeigt, wie sich autonome, vernetzte und elektrische Mobilität künftig in den Alltag einbinden lassen kann. Neben dem Concept Car haben wir auch ein Demonstrationsfahrzeug entwickelt, das mit vollautonomen Fahrfunktionen und reinem Batteriebetrieb einen Ausblick in das Jahr 2023 gibt. Noch in diesem Jahr sind erste Straßentests geplant.

Ralf Loweg / mid

Dieser Artikel aus der Kategorie OLDTIMER wurde von Ralf Loweg am 05.10.2017, 13:21 Uhr veröffentlicht.