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5Honda CB 1000 R: Mehr Neo Sport als Café Racer
mid Erlensee - Ein agiles Naked Bike im klassisch-modernen Stilmix hat Honda mit der neuen CB 1000 R auf die Straße gebracht. Gerhard Rudolph / Honda
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Ralf Schütze - 22. Mai 2018, 08:55 Uhr MOTORRRAD

Honda CB 1000 R: Mehr Neo Sport als Café Racer

Die Nackten buhlen um Aufmerksamkeit. Was vielleicht nach Flitzern im Fußballstadion klingt, passt umso besser auf die aktuelle Motorradszene: Immer mehr Naked Bikes sollen die Kundschaft von sich überzeugen. Zuletzt hatte Honda für diese Klientel nur noch die ausgesprochen klassisch gestylte CB 1100 RS im Angebot. Weitere Ergänzung hierzu, unter anderem als Bollwerk gegen Kawasakis reizvolle Z 900 RS: die CB 1000 R.


Die Nackten buhlen um Aufmerksamkeit. Was vielleicht nach Flitzern im Fußballstadion klingt, passt umso besser auf die aktuelle Motorradszene: Immer mehr Naked Bikes sollen die Kundschaft von sich überzeugen. Die darf gerne leistungshungrig sein, ohne gleich ein vollverkleidetes Hightech-Gerät fahren zu wollen. Zuletzt hatte Honda für diese Klientel nur noch die ausgesprochen klassisch gestylte CB 1100 RS im Angebot, mit nostalgischem Flair und stolz zur Schau getragenem, durch reichlich Kühlrippen verziertem Vierzylindermotor. Weitere Ergänzung hierzu, unter anderem als Bollwerk gegen Kawasakis reizvolle Z 900 RS: die CB 1000 R. Honda selbst klassifiziert ihr Design als "Neo Sport Café" - ein Stilmix aus klassischen Elementen wie reichlich Chrom und Edelmetall sowie modernistischen Details. In Fahrt soll die Nackte mit dem 2006er Fireblade-Motor (Typ SC 57) durch Vielseitigkeit überzeugen. Was sie kann, und was sie nicht kann: Ein Fahrbericht von den Straßen rund um Erlensee bei Frankfurt.

Typisch Honda: Der Motor ist ein echtes Sahnestück. Eigentlich könnte der Weltmarktführer in Sachen Motorrad auch "JMW" heißen, Japanische Motorenwerke. Die 2006er Version des ohnehin sehr reizvollen Einliter-Vierzylinders aus dem Supersportler CBR 1000 RR Fireblade wurde für den Einsatz im Naked Bike nochmals optimiert. Gefordert ist hier vor allem Druck in allen Lebenslagen statt Spitzenhöchstleistung nur nahe dem Drehzahlbegrenzer. Ergebnis in der neuen Honda CB 1000 R: Zwischen 6.000 und 8.000 U/min katapultiert eine sogenannte "Torque Ramp" (Schubkraft-Rampe) den Piloten vehement nach vorne und zieht ihm förmlich die Arme lang. Solche Impulsivität würde man dem seidenweichen Vierzylinder zunächst gar nicht zutrauen. Und was erstmal arg heftig wirkt, macht auf Dauer regelrecht süchtig: Immer wieder das Reissen am elektrischen Gashahn, bis einen endlich die Torque Ramp dem angepeilten Horizont ganz schnell näher bringt - herrlich. Schaltfaules Dahincruisen als Kontrast zum beherzten Angasen ist darüber hinaus möglich mit dem drehmomentstarken Triebwerk. Dessen Leistungscharakter lässt sich mit den drei Fahrprogrammen Sport, Standard und Rain den aktuellen Verhältnissen anpassen.

Optisch ist Hondas neues Naked Bike eine ungewöhnliche Mischung aus Retro und Neo. Daher klingt auch Hondas eigene Bezeichnung "Neo Sport Café" absolut anschaulich. Den vollen Begriff "Café Racer" haben die Japaner wohlweislich vermieden, denn die CB 1000 R soll keine Reminiszenz an die guten, alten Sportbikes der 60er Jahre sein. Das übernehmen andere wie BMW R nineT, Triumph Thruxton oder eben die Markenschwester CB 1100 RS. Vielmehr ist die CB 1000 R eine neuzeitliche Interpretation eines klassischen Bikes. Stilelemente wie Hondas traditionelles Flügel-Logo am Tank oder die Umrisse eines klassischen Rundscheinwerfers verbindet sie mit moderner LED-Technologie zu einem eigenständigen Look. Eben "Neo Sport Café". Aus diesem insgesamt schlüssigen Gesamtbild bricht regelrecht ein etwas klobig wirkendes Auspuffendrohr hervor. Dessen üppige Maße hätten gut und gerne einem dezenteren Endrohr im Stile der CB 1100 RS weichen können.

Nicht ganz nachvollziehbar erscheint uns, dass neben dem LCD-Display ein bunt flackerndes Lämpchen darüber aufklärt, ob die momentane Fahrweise sparsam oder eher exzessiv ist - die Antwort auf eine Frage, die ein sportlich orientierter Naked Bike-Fahrer eher nicht stellt, solange der Gesamtverbrauch im Rahmen bleibt. Und das ist beim Einliter-Vierzylinder der Fall. Wenn man die 145,5 PS einigermaßen ausgewogen abruft, sind 6,8 l/100 km Testverbrauch eine vertretbare Überschreitung des WMTC-Normverbrauchs, den Honda mit 5,8 l/100 km angibt.

Dem "Café" in der neu kreierten Gattung "Neo Sport Café" wird die CB 1000 R voll gerecht, wenn man den Langstreckenkomfort betrachtet: Relativ kurzer Abstand zum Lenker und ein recht enger Kniewinkel bringen zumindest großgewachsene Fahrer schnell zu der Überzeugung, dass man lieber das um die Ecke liegende Lieblings-Café ansteuern sollte, als die weite Urlaubsreise anzutreten. Doch das wird Hondas neuem Naked Bike nicht ganz gerecht, denn auf kurvigen Landstraßen spielt die Japanerin so richtig ihre Stärken aus und verwöhnt den Piloten auch stundenlang mit derart hohem Fahrspaß, dass der begrenzte Langstreckenkomfort völlig in den Hintergrund rückt. Dabei kommt zum Tragen, dass Honda bei der Entwicklung der neuen CB 1000 R im Vergleich zur bisherigen immerhin zwölf Kilo Ballast einsparen konnte. Das Fahrwerk fühlt sich unter anderem deshalb sehr agil an, die CB lässt sich willig in Kurven neigen. Passend zum Charakter der Maschine ist die Sitzposition fahraktiv nach vorn orientiert. Über den fast schnurgeraden Lenker hat man stets alles gut im Griff. Auch die Bremsen fügen sich kräftig und gut dosierbar zubeissend ins sportliche Gesamtbild ein.

Nicht mehr als sechs Kunststoffteile will Honda im sichtbaren Bereich verbaut haben. Wir haben nachgezählt und können die Japaner nur bestätigen. Der Preis von 12.985 Euro erscheint absolut angemessen. Wer für 14.485 Euro zur CB 1000 R+ greift, erhält zusätzlich Heizgriffe, ein paar optische Extras wie ein zierliches aber hochwertiges Aluminium-Windschild sowie einen sogenannten Blipper. Mit dessen Hilfe lassen sich die Gänge ohne Kupplung sowohl nach oben als auch nach unten durchschalten - ein weiteres Plus an unbeschwertem Fahrspaß. Wenn man kein Naked Bike im Retro-Stil sucht, sondern eine weitgehend harmonische Mischung aus klassischem und modernem Look, dann ist die agile und kräftige Honda CB 1000 R genau das Richtige.

Ralf Schütze / mid

Technische Daten Honda CB 1000 R

Naked Bike im klassisch-modernistischen Stilmix mit flüssigkeitsgekühltem Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hubraum 998 ccm, max. Leistung 107 kW/145,5 PS bei 10.500 U/min, max. Drehmoment 104 Nm bei 8.250 U/min, Sechsgang-Getriebe, Kette, Leichtmetall-Guss-/Stahlrohr-Rahmen, vorn voll einstellbare Upside-Down-Teleskopgabel, hinten Einarmschwinge mit Zentralfederbein, Vorspannung und kombinierte Druck-Zugstufen-Einstellung, vorn 310 mm Doppelscheibenbremse mit radial befestigten Vierkolbenbremszangen, hinten 256 mm Einscheibenbremse mit Doppelkolbenbremszange, ABS, Reifen vorn 120/70-17, hinten 190/55-17, Bridgestone S21, Sitzhöhe 830 mm, Radstand 1.455 mm, Tankinhalt 16,2 Liter, Gewicht vollgetankt 212 kg, zul. Gesamtgewicht 401 kg, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, Kraftstoffverbrauch (WMTC) 5,8 l/100 km, Preis: ab 12.985 Euro

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRRAD wurde von Ralf Schütze am 22.05.2018, 08:55 Uhr veröffentlicht.