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3Heavy Metal im Helm
mid Groß-Gerau - Display für BMW Connect: Musik gibt's via Helm-Lautsprecher. BMW
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Marcus Efler - 7. August 2018, 15:55 Uhr MOTORRRAD

Heavy Metal im Helm

Was im Auto mittlerweile selbstverständlich ist, nimmt jetzt auch beim motorisierten Zweirad zaghaft Fahrt auf: Die Vernetzung mit dem Smartphone. Vorreiter sind BMW und Kymco.


Für Autofahrer ist es mittlerweile selbstverständlich: Kaum eingestiegen, vernetzt sich das Smartphone mit dem Bordnetz. Entweder über das gute alte Bluetooth - oder, immer beliebter, per Kabel oder WiFi mit Apple CarPlay oder Android Auto.
Bei der Tour per Motorrad oder Roller hingegen blieben die Fahrer, von Spezial-Basteleien abgesehen, bislang offline - was viele durchaus auch genießen. Geht es nach den Herstellern, ist damit aber bald Schluss: Die Welt der Kommunikation hält auf Roller und Motorrad Einzug. Vor allem, wer sein Bike als Pendler-Mobil im Alltag einsetzt, so die Überlegung, möchte während der Fahrt Teil der digitalen Welt bleiben.

Vorreiter bei der Vernetzung sind BMW und Kymco. Der taiwanesische Hersteller startete die modernen Zeiten schon 2017 mit seinem Maxi-Scooter AK 550 - allerdings eher für verspielte Zeitgenossen. Wer die dazugehörige App "Noodoe" lädt, konnte Fotos seines Smartphones als Hintergrund für die Tempoanzeige ins Cockpit laden oder dort den Wetterbericht anschauen.

Die Navigationsfunktion war eher rudimentär und zeigte grob die Himmelsrichtung zum Ziel. Doch jetzt legt die Nummer zwei unter den Roller-Herstellern nach: "Noodoe" lässt sich nun auch im neuen Leicht-Roller Like II 125i ABS "Exclusive" nutzen, und wurde dazu kräftig aufgebohrt. In der neuen Version ermöglicht das System eine vollwertige Start-Ziel-Navigation: eine Welt-Premiere bei Rollern. Die über das Smartphone eingespielten Fahranweisungen erscheinen deutlich lesbar im Cockpit, praktischerweise zählt das Display die Zahl der Kreuzungen bis zur nächsten Abbiegung auf null herunter.

Dazu informiert das System über eingegangene Nachrichten etwa via Whatsapp und Facebook, sowie über entgangene Anrufe. Der Fahrer kann dann entscheiden, wie wichtig ihm diese sind, zum Rückruf anhalten und das Handy auspacken. Um das alles nutzen zu können, benötigt man ein Nutzer-Konto - das viele Informationen wie die gefahrene Geschwindigkeit abgreift. In Zeiten, da die meisten ohnehin Datensauger wie Whatsapp oder Facebook installiert haben, kommt es darauf aber wohl auch nicht mehr an.

Trotzdem unterscheidet sich das System hier von "Connected" von BMW: Ohne Registrierung und Daten-Abgriff kann man sein Smartphone mittels der entsprechenden App vernetzen. Wird es dazu mit einem Headset im Helm gekoppelt, erlaubt es Telefonate während der Fahrt, sowie Abhören der auf dem Smartphone gespeicherten Songs. Dafür gibt's keine Messenger oder Social-Media-Spielzeuge - eine andere, aber auch nachvollziehbare Sicherheits-Philosophie.

Über ein Dreh- und Drückrad an der linken Lenkerhälfte lassen sich die Funktionen am Display durchscrollen. Hier erscheinen zahlreiche Fahrzeug-Infos, Telefonie und Mediendateien (ohne Headset-Anbindung ausgebaut) und natürlich ein Navi. Das Ziel wird über downloadbare Karten am Handy programmiert, gespeicherte eigene Adressen lassen sich ruckzuck einlesen. Die Anweisungen erfolgen über Pfeil-Darstellung. Was fehlt, ist eine detaillierte Kartenansicht, wie sie separate Motorrad-Navis à la Tomtom Rider bietet, oder Kymcos Noodoe rudimentär im Stand; so etwas hilft, mal eben einen Stau zu umfahren - oder eine Dorfstraße, die wegen eines Sommerfestes gesperrt ist.

Das Kartenmaterial von BMW Connected stammt übrigens nicht von Here, dem Kartendienst der deutschen Autohersteller, sondern eben von Tomtom und ist für Motorrad-Touren optimiert. So kann man künftig, ähnlich wie bei den separaten Bike-Geräten der Niederländer, eine besonders kurvenreiche Streckenführung anfordern.

Dass man seinen Helm nicht unbedingt mit Heavy Metal beschallen sollte, wenn man diese abfährt oder anstrengende Telefonate mit dem Chef oder der Ex führen sollte, dürfte einleuchten. Für die neuen Enduros F 750 GS, F 800 GS sowie die aktuelle R 1200 GS, die das 605 Euro teure Extra anbieten, dürfte deshalb wohl vor allem die Navi-Funktion des Systems wichtig sein. Schließlich setzen sich die meisten Biker auf den Bock, um außer dem Motorgeräusch nichts zu hören. Anders dürfte es beim neuen, ab Herbst 2018 ausgelieferten Midsize-Roller C 400 X aussehen: Wer mit ihm zur Arbeit pendelt und sich brav im Stau anstellt, kann die Zeit durchaus für Telefonate nutzen.

Sowohl BMW als auch Kymco werden ihre Systeme für ihre Modellpalette weiter ausrollen. Ob sich die Vernetzung hier und eventuell auch bei weiteren Herstellern durchsetzt, bleibt vorerst eine spannende Frage.

Marcus Efler / mid

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRRAD wurde von Marcus Efler am 07.08.2018, 15:55 Uhr veröffentlicht.