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Die mid-Zeitreise: Opel Vectra - die neue Wunderwaffe von Opel
mid Rüsselsheim - Mit der ersten Generation des Vectra führte Opel ab 1988 eine ganze Reihe technischer Neuerungen ein. Er war der erste Opel mit Allradantrieb und mit elektronisch gesteuertem Automatik-Getriebe erhältlich. Opel
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Jutta Bernhard - 7. September 2018, 16:21 Uhr OLDTIMER

Die mid-Zeitreise: Opel Vectra - die neue Wunderwaffe von Opel

Am 26. September 1988 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 37. Jahrgang über den Opel Vectra - die neue 'Wunderwaffe' von Opel.


Am 26. September 1988 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 37. Jahrgang über den Opel Vectra - die neue "Wunderwaffe" von Opel.

Die neue "Wunderwaffe" Vectra in Schräg- und Stufenheck-Version soll den Marktanteil von Opel in dieser Mittelklasse von bisher 10 auf 20 Prozent in der Bundesrepublik steigern. Der Name "Vectra" soll nach Ansicht der Marketing-Strategen dabei mit Progressivität, Modernität und Technik assoziiert werden. Für "Ascona" stand Biederheit und Konventionalität.

Sechs Motoren, davon ein Diesel, mit Leistungen zwischen 57 PS und 150 PS treiben die Vorderräder der viertürigen Limousine an, die es auch als Allrad-Version gibt. Mit dem Vorgänger Ascona hat dieser Newcomer nicht mehr viel gemein: Abgerundete Formen, flachgezogene Frontpartie mit schmalem Kühlergrill und rechteckigen Halogen-Scheinwerfern sowie das Steilheck mit den kleinen Beleuchtungseinheiten lassen die Opel-Familienzugehörigkeit deutlich erkennen. Und dass Aerodynamik angesagt ist, dafür steht neben dem Erscheinungsbild der Luftwiderstandsbeiwert 0,29. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die dritten Seitenfenster in den C-Säulen. Sie verbessern gegenüber dem Ascona die Rundumsicht. Bei der Schrägheck-Version charakterisiert die Spoiler-artige Abrisskante das Heck. Etwas störend die pfeifenden neuen Gummidichtungen der vier weit ins Dach eingelassenen Türen, was bis zur Einführung auf dem deutschen Markt Mitte Oktober geändert werden soll. Nachteil der schrägen Frontscheibe: Der starke Aufheiz-Effekt bei Sonnenschein. Durch die insgesamt recht runde Karosserie mit den verdeckten Scheibenwischern und der versteckt liegenden Regenrinne dringen kaum Fahrwindgeräusche in das Wageninnere. Darin ist der Vectra dem Ascona ebenfalls haushoch überlegen.

Die bewährten und vom Kadett und Ascona her schon bekannten 1,6 Liter-75 PS- und 2,0 Liter-115 PS-Vierzylinder-Kat-Motoren sowie der 1,8 Liter 88 PS-Euronorm-Motor überzeugen durch ihre Spritzigkeit. Die einzelaufgehängten Vorderräder und die serienmäßigen Gasdruckstoßdämpfer vorn und an der Verbundlenker-Hinterachse halten den Vectra auch in scharf gefahrenen Kurven spurstabil. Eine noch bessere Straßenlage vermitteln jedoch die Allrad-Versionen sowie der Vectra 2000, den der 2,0 Liter-16-Ventilmotor aus dem Kadett GSi antreibt. Bei diesen Varianten sorgen dann die vier einzelaufgehängten Räder und eine Schräglenker-Hinterachse für die sehr gute Spurstabilität. Die neuen Sitze bieten nicht nur einen hervorragenden Komfort, sondern geben auch bei schärfster Kurvenfahrt noch sicheren Halt. Die serienmäßige Servolenkung (außer bei der GL- und der Dieselversion) erleichtert das Einparken enorm. Beim Ascona gab es die Lenkhilfe nur gegen Aufpreis.

Die Instrumente lassen sich problemlos überblicken und bedienen. Das serienmäßige, hakelige Fünfgang-Getriebe fällt besonders durch die zu lange Übersetzung des vierten Ganges beim Vectra 2,0 i GLS auf. Auch singt das Getriebe bei den weniger starken PS-Versionen im ersten und zweiten Gang. Aber damit kann man leben. Das Flaggschiff, der Vectra 2000, ist nichts für Schaltfaule. Der um 2,5 Zentimeter längere Radstand (2,6 Meter) und die 3 Zentimeter größere Breite (1,70 Meter) gegenüber seinem Vorgänger wirken sich positiv auf das Raumangebot aus. Im Fond können auch größere Mitfahrer bequem sitzen, ohne dass die Beine eingeklemmt und der Kopf eingezogen werden müssen. Ein weiterer Pluspunkt: umklappbare Haltegriffe oberhalb der Türen. Vorteilhaft ist auch, dass an den Seitenwänden des Kofferraums der Verbandskasten und das Bordwerkzeug in Fächern untergebracht werden. Die Ladehöhe beträgt durch den bis auf die Heckstoßfänger heruntergezogenen Kofferraumdeckel nur 47,1 Zentimeter. Durch die asymmetrisch umklappbare Rückbank erhöht sich das Gepäckraum-Volumen beim Stufenheck von 530 auf 840 (Schrägheck: 460 bis 550) Liter. Bei den Allrad-Versionen fasst der Kofferraum 380 bis 690 Liter.

Obwohl der Vectra als Stufenheck je Motorausstattung zwischen 22.700 und 29.750 DM kostet und damit teurer als der Ascona ist, fällt dies durch die verbesserte Serien-Ausstattung nicht sehr ins Gewicht. Der Preisunterschied in der Grundversion Vectra GL 1,6i beträgt 1.775 DM. Dafür bekommt man allerdings eine geteilt umlegbare Rückbank, Sitzhöhenverstellung auf der Fahrerseite und zwei von innen verstellbare Außenspiegel.

Alles in allem ist der neue Vectra eine Bereicherung der Opel-Palette, von dem 1989 in Deutschland 130.000 Einheiten abgesetzt werden sollen. Ab Mitte Oktober stehen die Stufenheck-Versionen beim Händler. Anfang 1989 werden die Allrad-Varianten (29.450 und 31.920 DM) auf den Markt kommen. Die Schrägheckler folgen im Frühjahr 1989. Das Top-Modell Vectra 2000 schließt die Einführung der neuen Mittelklassen-Baureihe im kommenden Sommer ab.

Dieser Artikel aus der Kategorie OLDTIMER wurde von Jutta Bernhard am 07.09.2018, 16:21 Uhr veröffentlicht.