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4Kreim und Christian erreichen in ihrer EM-Debütsaison Platz drei
Fabian Kreim und Frank Christian fuhren in ihrer ERC-Debütsaison im Skoda Fabia R5 bei sechs Starts vier Podiumsplätze in der U28-Wertung ein. Foto: Auto-Medienportal.Net/Skoda
MOTORSPORT
Hans-Robert Richarz/ampnet - 16. Oktober 2018, 14:05 Uhr MOTORSPORT

Kreim und Christian erreichen in ihrer EM-Debütsaison Platz drei

Wenn das erfolgreiche Team einer Mannschaftssportart in eine höhere Liga aufsteigt, tut es sich erfahrungsgemäß zuerst recht schwer, den Anschluss an die etablierte Konkurrenz zu finden.

Wenn das erfolgreiche Team einer Mannschaftssportart in eine höhere Liga aufsteigt, tut es sich erfahrungsgemäß zuerst recht schwer, den Anschluss an die etablierte Konkurrenz zu finden. Nun aber lieferte das deutsche Rallye-Duo mit Fabian Kreim am Steuer und Frank Christian als Beifahrer mit ihrem Skoda Fabia R5 den Beweis, dass es auch anders geht. In ihrer Premierensaison in der FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC) erreichten die zweifachen Deutschen Meister am Ende auf Anhieb das Siegertreppchen im U28-Championat. Nach einem spannenden Kampf während des ganzen Jahres landeten der 26-Jährige Kreim und der acht Jahre ältere Christian auf Platz drei der prestigeträchtigen EM-Nachwuchswertung.

Mannschaftssport Rallye? Wenn auch meist der Mensch am Steuer im Blickpunkt steht, so geht beim atemberaubenden Ritt über Stock und Stein, auf Asphalt-, Geröll-, Schotterpisten vor, während und nach einem Wettbewerb nichts ohne eine verlässliche Technik-Crew im Hintergrund. Und auch die zwei im Auto sind absolut aufeinander angewiesen - etwa ebenso wie die beiden Spieler einer Mannschaft beim Beach-Volleyball. Da ist auf der linken Seite am Lenkrad Fabian Kreim mit der Schlitzohrigkeit eines Youngsters, der trotz seines jungen Alters schon jetzt mit allen Rallyewassern gewaschen zu sein scheint. Neben ihm sitzt als Co der stets Ruhe und Souveränität ausstrahlende Frank Christian mit der Gelassenheit eines Routiniers, der während des Wettbewerbs stets sagt, wo es lang geht.

Den Archipel der Azoren kennen die meisten Deutschen nur aus dem Wetterbericht durch das gleichnamige Hochdruckgebiet, das im Winter oft durch eine milde Westwindlage für feuchtes Wetter sorgt. Ende März stand dort die Vulkaninsel São Miguel mit dem ersten Lauf zur Rallye-Europameisterschaft im Blickpunkt der Motorsportfans. Bei wechselnden Wetterbedingungen zwischen strahlendem Sonnenschein und dichtem Nebel traten die Newcomer Kreim und Christian auf für sie ungewohntem Schotterbelag an. In einer Wertungsprüfung 13 gelang ihnen sogar die beste Zeit des gesamten Feldes - 0,9 Sekunden vor den späteren Gesamtsiegern.

Nach 207,44 Kilometern reichte es für das Team trotz eines Reifenschadens zu Platz fünf in der Nachwuchskategorie. Insgesamt gab es 16 Punkte. Am Ende zählen für die Junioren-Meisterschaft nur die besten vier Ergebnisse von maximal sechs Wettbewerben. Da es nachher ständig bergauf ging, wurde aus dem Azoren-Ergebnis ein Streichresultat.

Nächste Rallye, nächste Insel. Auf Gran Canaria gab es für das Skoda-Duo bei der ,,Rally Islas Canarias" allen Grund zum Jubeln: Zum ersten Mal konnten sie einen Podestplatz bei der Rallye-Europameisterschadt (ERC) mit Platz zwei in der U28-Kategorie und damit den Sprung an die Spitze der EM-Gesamtwertung ihrer Klasse feiern. ,,Ein traumhaftes Ergebnis - das ist viel mehr, als ich zuvor erwartet habe. Schließlich war diese Rallye absolutes Neuland für mich", gab Fabian Kreim danach zu Protokoll. Auf seinem Lieblingsbelag Asphalt hatte er auf den 14 Wertungsprüfungen über 202,72 Kilometer eine gewaltige Leistungssteigerung unter Beweis gestellt.

Elf Wochen später war es dann so weit: Bei der ,,Rally di Roma Capitale" in Italien triumphierte das Team von Skoda Auto Deutschland nach einer meisterlichen Vorstellung souverän in der U28-Klasse. Der zweimalige deutsche Meister Kreim hatte mit dem bis dato größten internationalen Sieg seiner Karriere zugleich seine Führung in der Gesamtwertung ausgebaut und war bei Halbzeit auf Kurs zum anvisierten Klassentitel. Sein Kommentar: ,,Mit dem ersten Sieg in der EM geht ein Traum in Erfüllung. Es waren drei Rallye-Tage, die uns bei ständig wechselnden Streckenbedingungen wirklich alles abgefordert haben. Wir haben wieder viel gelernt."

Es folgte ein kurzer Zwischenstopp für Kreim und Christian bei der zur Rallye-Weltmeisterschaft zählenden Deutschland-Rallye an Saar und Mosel. Nach einer spektakulären Aufholjagd landeten sie am Ende nach gut 325 Wertungskilometern auf Platz vier und waren damit auf Augenhöhe mit der Weltelite - egal, ob bei der kurvigen Fahrt durch die Weinberge oder bei den legendären Prüfungen auf der Panzerplatte mit einem Wechsel zwischen Asphalt- und Betonplattenabschnitten. Für den weiteren Verlauf der Europameisterschaft gab das zweifelsohne Rückenwind.

Mit der ,,Barum Czech Rally Zlin" startete in der letzten Augustwoche die zweite Hälfte der Rallye-Europameisterschaft, und wieder gelang dem deutschen Erfolgsduo - zum dritten Mal in Folge - mit einem zweiten Platz in der Klassenwertung der Sprung aufs Siegerpodest. In der EM-Gesamtwertung blieben Kreim/Christian damit nach vier von sechs Rennen der U28-Kategorie mit 113 Zählern an der Spitze vor Chris Ingram (93 Punkte) aus Großbritannien und Nikolay Gryazin (91 Punkte) aus Russland. Damit stand bei den ausstehenden zwei Rallyes in Polen (21. bis 23. September) und Lettland (12. bis 14. Oktober) ein spannender Dreikampf um den Titel bevor, den die drei Skoda Fabia R5 unter sich ausmachen würden.

Auf der sich anschließenden Rallye Polen mit ihren Hochgeschwindigkeitsstrecken holte Nikolay Gryazin seinen dritten U28-Sieg in diesem Jahr. Fabian Kreim verpasste nach 214 Wertungskilometern nur um 17,3 Sekunden den zweiten Platz in seiner Klasse gegen den Briten Chris Ingram. Die Titelanwärter liefern sich auch am Sonntag bis zur letzten der 15 Wertungsprüfungen ein spannendes Duell auf den engen Feldwegen auf sandigem und steinigem Untergrund. Kreim freute sich am Ende in der Masurischen Seenlandschaft über Platz drei: ,,In der vorletzten Prüfung hat es richtig zu regnen begonnen, das war tückisch. Ich habe ein besseres Gefühl dafür bekommen, wie man auf diesem Belag fahren muss - das wird mir beim Saisonfinale in Lettland helfen."

Beim letzten ERC-Lauf der Saison 2018 kam es dann zum großen Showdown um den U28-Titel unter den drei Skoda-Piloten. Der deutsche Champion Kreim hatte zuvor in fünf Läufen die meisten Punkte gesammelt - allerdings entscheiden am Ende nur die besten vier Resultate über den Champion. In der Zwischentabelle lag Kreim deshalb mit 122 Wertungspunkten auf Platz drei knapp hinter den Spitzenreitern Gryazin (130 Punkte) und Ingram (123 Punkte).

Die Hafenstadt Liepaja an der Ostsee im Westen Lettlands bildete dann am Wochenende den Schauplatz des Europameisterschaft-Finales, das für die beiden Deutschen um ein Haar ins Auge gegangen wäre. Bei der letzten Wertungsprüfung geriet der Fabia R5 von Fabian Kreim und Frank Christian mit den beiden rechten Rädern in gefährliche Nähe des Straßengrabens, stieg daraufhin in Schräglage in die Höhe und kam nach einem gewaltigen Weitsprung zum Glück wieder mit allen vier Rädern auf die Straße. Kreim meisterte den Ausflug in lettische Lüfte zwar kaltblütig und mit Vollgas, hielt aber danach aber das Risiko stets im Auge um keinen Ausfall zu riskieren.

,,Die Devise in Lettland hieß die meiste Zeit: Vollgas. Es war ein tolles Weekend mit unglaublicher Geschwindigkeit. Da braucht es Mut und Selbstbewusstsein. Ich habe in dieser Saison sehr viel dazu gelernt, vor allem auf Schotter. Das wird mir in Zukunft helfen", sagte Fabian Kreim hinterher. Zusammen mit seinem Beifahrer konnte er seine Premierensaison in der FIA Rallye-Europameisterschaft mit dem dritten Platz im U28-Championat krönen. Ihre gewachsene Stärke auf Schotter bewiesen die beiden erneut bei der Rally Liepaja mit einer Prüfungsbestzeit und verpassten als Vierte das Podium nur um 8,2 Sekunden.

Nach zwei deutschen Meistertiteln in Serie ist Kreim und Christian der Aufstieg ins Kontinentalchampionat überzeugend gelungen. Platz fünf zum Saisonauftakt auf den Azoren folgte eine Serie von vier Podestplätzen in der U28-Wertung. Höhepunkt war dabei der EM-Premierensieg bei der Rally di Roma Capitale. In den beiden letzten Events der Saison zeigten sie zudem, dass sie auch auf dem ungewohnten Schotterbelag die besten Nachwuchsteams des Kontinents herausfordern können. Das kommende Jahr könnte also noch spannender werden. (ampnet/hrr)

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Hans-Robert Richarz/ampnet am 16.10.2018, 14:05 Uhr veröffentlicht.