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6Panorama: Wohnmobil mit Sauna-Ausbau - Heiße Kiste für kalte Tage
Die Sauna ist in einen Fiat Ducato integriert Foto: SP-X/Benjamin Bessinger
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Benjamin Bessinger/SP-X - 19. Januar 2020, 09:53 Uhr NEWS

Panorama: Wohnmobil mit Sauna-Ausbau - Heiße Kiste für kalte Tage

Ein Finne ohne Sauna? Geht gar nicht, dachte sich ein nach Kanada ausgewanderter Finne und baute sich seine eigene - für unterwegs.

Draußen hat es -20 Grad, der Schnee liegt meterhoch und von den Felsen hängen dicke Eiszapfen: Es ist tiefster Winter in Revelstoke am Fuß der Rocky Mountains und wer sich überhaupt aus dem Haus traut, der steckt in vier Lagen Thermo-Wäsche und achtet peinlich genau darauf, dass ja kein Fitzelchen Haut herausschaut. Doch Tomi sitzt im Fond seines Kleintransporters und schält sich aus den Klamotten. Denn es wird hübsch warm im Heck seines Fiat Ducato, der hier drüben in Kanada als Dodge Ram ProMaster verkauft wird. Kein Wunder. Ganz hinten knistert ein Holzfeuer im Ofen und die Temperatur steigt so langsam auf 90 Grad. Denn Tomi sitzt im wohl einzigen Sauna-Van im Umkreis von vielen Tausend Meilen und macht sich gerade bereit für einen Runde Schwitzen im Sitzen.

Das muss man verstehen. Schließlich ist Tomi Finne und so wohl er sich in Kanada fühlt, fehlt ihm in dem Outdoor- und Wintersport-Mekka sechs Stunden östlich von Vancouver die heimische Sauna-Kultur. Das hat ihn allerdings nach Jahren der Saisonarbeit als Skilehrer nicht daran gehindert, vor rund zehn Jahren ganz nach Kanada zu ziehen. Das sichert ihm jetzt in der neuen Heimat sein Auskommen und zusammen mit seiner Partnerin baut er individuelle Saunen für die Locals und heizt den Wintersportlern auf diese Weise gehörig ein.

Nachdem er seine Schwitzkästen in Keller gebaut hat und in Gartenhütten, in Garagen und Dachböden, Waldhütten und Wiesenhügel, hat er im letzten Sommer auch seinen Ducato zu einer heißen Kiste umgebaut. Schließlich ist der Finne gerne unterwegs, geht im Sommer an den Seen campen und im Winter am nahen Eagle-Pass zum Backcountry Skiing. ,,Und nichts ist schöner, als nach einer langen Tour direkt in die Sauna zu steigen, ohne erst ein paar Stunden fahren zu müssen," schwärmt der knapp 50jährige Finne und freut sich über die vielen Bekanntschaften, die er dabei schon auf Park- und Campingplätzen gemacht hat. Klar, schauen viele erstmal ein bisschen irritiert, wenn er ihnen erklärt, warum sein Van einen Schornstein hat und weshalb daraus plötzlich Rauch aufsteigt. Doch nicht selten sind die Passanten danach buchstäblich Feuer und Flamme und fragen nach einem Handtuch, erzählt er mit einem breiten Grinsen.

Geplant hat er an seinem Sauna-Van viele Wochen. Stundenlang hat er dafür in seinem Lieblingscafé an der Hauptstraße gesessen, Skizzen gemacht und gerechnet. Doch der Umbau selbst ging dann überraschend schnell. Hier mal an ein paar Stunden nach Feierabend, da mal ein Samstag - so nahm der Schwitzkasten auf Rädern zügig Gestalt an.

Dabei hat sich Tomi für den schweren Weg entschieden: Weil er seinen Ducato auch als Lieferwagen fürs Geschäft und als Wohnmobil nutzt, durfte der Ausbau keinen Platz kosten und musste sich vor allem schnell auf- und zurückrüsten lassen. Deshalb steht er jetzt an den offenen Türen am Heck des Ducato und zieht allerlei Bretter aus dem doppelten Boden seines Kleintransporters. Klack, klack, klack - mit einem einfachen Stecksystem hat er den letzten Meter vom Rest der Kabine abgetrennt, aus der holzvertäfelten Seitenwand klappt er eine Bank, vor die offenen Türen hängt er weitere Bretter, auf Teleskopschienen verlängert er den Fußboden und mit drei Handgriffen hat der Überhang auch ein Dach. Klack, klack, klack, dann ist vorne auch zu, und mit dem letzten Handgriff klemmt Tomi noch eine Trittleiter vor die Tür, bevor er drinnen mit dem Holzverschnitt aus seiner Sauna-Schreinerei den Ofen anheizt.

Lange Warten muss er danach nicht mehr: ,,In kaum mehr als einer Viertelstunde hat die Sauna mollige 80 Grad", strahlt der stolze Erfinder und nestelt schon an den Hemdsköpfen. Denn wenn das Feuer erstmal brennt, ist der Finne kaum mehr zu halten. ,,Mein Büro hat 80 Grad, bringt also besser ein Handtuch mit", rät er seinen Geschäftspartnern - und hat damit offenbar Erfolg: Rund ein Dutzend Saunen baut er im Jahr und hat deshalb eigentlich viel zu wenig Zeit, im eigenen Van zu sitzen und zu schwitzen.

Allerdings haben die wenigsten davon Räder und fahren kann bislang keine anderer: Der Schwitzkasten im Dodge ist ein Einzelstück und wird es wohl auch bleiben: An Nachfrage für die heißen Van mangelt es dabei nicht. An Ideen auch nicht. Und der Preis, den Tomi auf rund 15.000 Dollar schätzt, dürfte auch keine unüberwindbare Hürde sein. ,,Sondern das Problem hier in Nordamerika sind die Gesetze und die Rechtsanwälte", stöhnt er. Ein TÜV würde ihn zwar nicht behindern, aber die Angst vor einer Fehlbedienung ist ihm schlicht zu groß. In einem Land, in dem man in die Bedienungsanleitung der Mikrowelle schreiben muss, dass man darin keine Katze trocknen darf, ist ihm eine mobile Sauna einfach zu heiß, erzählt er und zuckt resigniert mit den Schultern: ,,Da würde ich am Formblatt zum Haftungsausschluss länger sitzen als am Umbau selbst." Und dabei wahrscheinlich auch mehr ins Schwitzen kommen als in der Sauna.

Dieser Artikel aus der Kategorie NEWS wurde von Benjamin Bessinger/SP-X am 19.01.2020, 09:53 Uhr veröffentlicht.