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2Erstmals Sand im Getriebe von Lewis Hamilton und Mercedes
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MOTORSPORT
Redaktion - 9. September 2020 MOTORSPORT

Erstmals Sand im Getriebe von Lewis Hamilton und Mercedes

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Der britische Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton befindet sich diese Saison in einem entscheidenden Jahr seiner Karriere. Der Seriensieger könnte mit einem neuerlichen Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft den bisher für uneinholbar geltenden Rekord von Michael Schumacher einstellen. Mit danach sieben Titeln im Gepäck stünde dem Titelverteidiger der Weg zu einem neuen Jahrhundertrekord offen.

Schließlich demonstriert Mercedes auch dieses Jahr wieder eindrucksvoll, dass kein Weg an dem besten Team der Formel 1 vorbeiführt. Die Kombination aus deutscher Präzisionsarbeit und den zwei besten Fahrern im Feld macht Mercedes zum dominanten Rennstall. Hauptverantwortlich dafür ist jedoch die Erfahrung und Zielorientierung von Lewis Hamilton.

Bescheiden und ehrgeizig

Den Briten kennt man gemeinhin als bescheiden, aber ehrgeizig. Zuletzt bewies er neuerlich ein Gefühl für den richtigen Moment. Als ihn Reporter zu der noch immer nicht erfolgten Vertragsverlängerung bei Mercedes befragten, verwies er auf die aktuelle Wirtschaftskrise. Gleichzeitig betonte Hamilton, dass er es als falsch empfinden würde, jetzt über einen Vertrag zu verhandeln, der eine Gage von zumindest 40 Millionen Pfund pro Jahr beinhalten würde. Andere Sportler bewiesen in der Vergangenheit weniger Feingefühl.

Nicht nur internationale Fußball-Stars wie Paul Pogba zeigen ungehemmt ihren Reichtum, sondern auch deutsche Spieler stehen dem in Nichts nach. Als Ivan Campo regelmäßig von England nach Spanien zu seinem Friseur flog, tat man dies noch als Einzelaktion ab. Doch auch die Spieler von RB Leipzig ließen sich bereits, nach einer aufsehenerregenden Niederlage gegen Eintracht Frankfurt, einen Friseur aus England einfliegen und sorgten so für mächtigen Ärger. Von Lewis Hamilton kennt man so eine Exaltiertheit nicht, er legt Wert auf Zurückhaltung. Ganz anders sieht es da schon in Rennen aus. Der Champion hat nach sechs Weltmeistertiteln noch lange nicht genug. Er will mehr und dieses Jahr kann er in die Geschichte seines Rennsports eingehen.

Ein kapitaler Fehler kostet den Sieg und Punkte

Doch die Kombination Mercedes/Hamilton ist nicht unfehlbar. Das konnten die Fans zuletzt beim Großen Preis von Monza deutlich erkennen. Die Weltmeister schossen einen kapitalen Bock, der ihnen den Sieg kostete und gleichzeitig ein neues Gesicht ganz oben auf das Siegerpodest beförderte. Zur Erinnerung: Hamilton lieferte beim Formel-1-Rennen von Italien die Szene des Tages.

Ausgerechnet während der Safety-Car-Phase fuhr der Führende der Weltmeisterschaftswertung sein Auto völlig unbekümmert in die Boxengasse, die zu diesem Zeitpunkt wegen eines liegen gebliebenen Wagens geschlossen war. Die Strafe dafür folgte auf dem Fuße. Die Rennkommissäre verhängten eine 10-Sekunden-Stopp-and-Go-Strafe und verhinderten so einen weiteren Sieg des Weltmeisters. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte schließlich alles nach einem weiteren Erfolg von Hamilton ausgesehen. Wie konnte einem so erfahrenen Champion so ein kapitaler Fehler überhaupt passieren?

Hamilton gab nach dem Rennen an, die Hinweisschilder auf die Safety-Car-Phase einfach nicht gesehen zu haben. Er nahm die Verantwortung für das Desaster auf sich. Doch auch sein Team hat sich in dieser Phase des Rennens nicht mit Ruhm bekleckert. Schließlich hat Mercedes jede Menge Mitarbeiter an der Strecke postiert. Diesen fiel ebenfalls nicht auf, dass das Safety-Car auf die Strecke gefahren war. Wie üblich hatten Leuchtsignale den Fahrern und ihren Teams signalisiert, dass die Boxengasse geschlossen war. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sah in dem Vorfall eine Verkettung seltsamer Vorfälle.

Nur Platz sieben

Die Entscheidung der Rennleitung war seiner Meinung nach ungewöhnlich, seine Mitarbeiter konnten die Signale von der Box aus nicht sehen und als die Warnung endlich kam, war es bereits zu spät, denn Lewis Hamilton fuhr gerade in die Boxengasse ein. Gleichzeitig kritisierte der Teamchef aber auch die Rennleitung.

Schließlich blicke niemand auf die Seite, auf der das Safety-Car auf die Strecke fahre, wenn gerade ein Boxenstopp vorbereitet wird. Die Auswertung des Boxenfunks zwischen Mercedes und seinem Fahrer bewies, dass Hamilton tatsächlich nicht wusste, dass er gerade einen kapitalen Fehler beging. Während des ganzen Rennens diskutierte der Weltmeister mit seiner Box und wies mehrfach darauf hin, kein Warnlicht gesehen zu haben.

Doch alle Aufregung war vergebens, Hamilton kassierte seine Strafe und fiel auf Platz sieben zurück. Seinem Teamkollegen Valtteri Bottas erging es etwas besser, er holte Platz fünf. Der große Profiteur der Aufregung war schließlich Pierre Gasly. Der Franzose feierte seinen ersten Formel-1-Sieg und trug sich damit erstmals in die Siegerlisten ein.

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Redaktion am 09.09.2020 veröffentlicht.