Thomas Schneider (vm) - 16. Januar 2015, 16:36 Uhr OLDTIMER
Mit 34 PS zum Rallye-Sieg
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Auf über 300 PS hochgezüchtete Motoren arbeiten in den Rally-Fahrzeugen im heutigen internationalen Rallye-Geschehen. Einen krassen Gegensatz dazu stellt die Tour d'Europe des Jahres 1960 dar. Rennfahrer Hans Wehner fährt bei dieser Rallye quer durch Europa mit seinem 1200er Käfer mit gerade einmal 25 kW/34 PS zum Sieg. Und diesem Erfolg widmet das AutoMuseum Volkswagen nun eine Sonderschau, die noch bis 15. März geöffnet ist. Der heute 90-jährige rüstige Pensionär reiste eigens für die Eröffnung an, um seine gewonnenen Pokale zu präsentieren und vom rustikalen Motorsport jener Zeit zu berichten.
Die Teilnahme an einer Rallye war vor einem halben Jahrhundert noch weitaus unkomplizierter und vor allem sehr viel billiger als heute. Denn in den 1960ern war es noch möglich, mit einem nahezu unveränderten Serienfahrzeug an Rennen teilzunehmen. Wehner musste damals lediglich kleinere Modifikationen an den Reifen, dem Sitz und der Einstellung des Sturzes an der Hinterachse vornehmen.
Und auch bei der Navigation hat sich einiges getan. Zwar verrät noch heute der Beifahrer - wie schon 1960 Horst Wilhelm in Wehners Käfer - den richtigen Weg. Doch auf aufwendige Probefahrten auf der gesamten Strecke und mithilfe von Satelliten-Navigation erstellten Routen mussten sie Fahrer seinerzeit natürlich verzichten. Simples Kartenmaterial und das Bordbuch genügten, um von Etappe zu Etappe zu kommen.
Die Tour d'Europe zog sich in 30 Abschnitten durch neun Länder Süd- und Osteuropas bis auf den vorderasiatischen Kontinent: Der Wendepunkt befand sich in Beirut im Libanon. Zugegeben: Um Höchstgeschwindigkeit ging es dabei aber nicht wirklich, da es sich um eine Gleichmäßigkeits-Rallye handelte. Dennoch war das Rennen eine große Herausforderung für Mensch und Material.
Die großenteils extrem schlechten Wegstrecken, die steilen Bergetappen, Staub, hohe Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit machten vielen Teams zu schaffen. Knapp die Hälfte der Teilnehmer erreichte nicht das Ziel. Hans Wehner und sein blauer Käfer hielten dank der zuverlässigen Technik durch, und das ganz ohne Strafpunkte. Obwohl VW damals motorsportlichen Veranstaltungen ablehnend gegenüberstand, nutzte der Autobauer den Erfolg des Teams zu Werbezwecken, indem die sprichwörtliche Zuverlässigkeit des Käfers hervorgehoben wurde. Getreu dem alten Slogan, würde der Wagen vermutlich noch heute laufen und immer weiter laufen.
Jedenfalls hat es der Sieger-Wagen wohlbehalten in das AutoMuseum Volkswagen in der Dieselstraße in Wolfsburg geschafft, wo er inmitten der ausgestellten Pokale zusammen mit dem Siegerteam geehrt wird. Und der pensionierte Finanzbeamte Wehner hat sämtliche Auszeichnungen, Fotos und andere Unterlagen aufbewahrt und stellt sie für die Dauer der Ausstellung dem AutoMuseum zur Verfügung. Die Zeitreise in die Motorsport-Vergangenheit können Besucher des Museums dienstags bis sonntags von zehn bis 17 Uhr zum Preis von sechs Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder erleben.
Dieser Artikel aus der Kategorie OLDTIMER wurde von Thomas Schneider (vm) am 16.01.2015, 16:36 Uhr veröffentlicht.
