MOTOR-EXCLUSIVE

Wolfram Nickel/SP-X - 28. November 2025, 12:29 Uhr OLDTIMER

Die H-Kennzeichen-Klassiker des Jahres 2026 - Alles, bloß nicht langweilig

„Minimalistic Basics“, dieser Modetrend aus den 90er-Jahren feiert gerade ein Comeback. Passend dazu zeigen die neuen H-Kennzeichen-Oldtimer, wie bunt und verführerisch Minimalismus vor 30 Jahren war: Vom kuriosen Ford Ka über kleine Raumriesen á la Citroen Berlingo bis zu feinen Kompakten von Alfa, Audi oder Volvo ist alles dabei. Aber auch clevere Volksautos von Skoda und VW fehlen nicht.

SP-X/Köln. Sie werden von Jahr zu Jahr zahlreicher, die jungen Oldies. Klassische Automobile, die durch das begehrte „H“ auf dem Kennzeichen den amtlichen Ritterschlag zum mindestens 30 Jahre alten Oldtimer erhalten und die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit befriedigen. Rund 900.000 historische Fahrzeuge mit und ohne „H“ sind bereits beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert, und 2026 wird diese Zahl noch einmal steigen. Denn dann passieren viele Modelle die magische Altersgrenze, die manchen heute wieder aktuellen Modetrend wie „Minimalistic Basics“ schon damals initiierten. Egal ob winziger Cityflitzer Ford Ka im kuriosen New-Edge-Design als Gegenentwurf zum Renault Twingo, pragmatischer Hochdach-Kombi á la Citroen Berlingo, Peugeot Partner und Mazda Demio oder als praktischer Kombi von Audi (A4 Avant, B5) über Fiat (Marea), Lancia (Kappa), Mercedes (C-Klasse S 202 und E-Klasse Baureihe 210), Opel (Vectra) bis zu VW (Passat B5) und Volvo (V70): „Weniger ist mehr“ war 1996 angesagt wie 30 Jahre später die Trends zum Tiny House und bezahlbaren Kleinwagen. 

Dabei konnte sich der Minimalismus auf den Preis wie auf das äußere Format der Fahrzeuge beziehen. Mit Kombis kurvte es sich leichter durch Parkhäuser als mit sperrigen Vans, die es nun im Kompaktformat gab: Der Renault Mégane Scénic wies den Weg. Sportlicher Spaß durfte nicht fehlen, damals, als es der Popsong „Macarena“ auf die Wahlparty des US-Präsidenten Bill Clinton schaffte, und angeblich sogar der Vatikan tanzte. Zum Kurventanz luden frische Pulsbeschleuniger vom Toyota Paseo bis zur Viper GTS.

Mehr als 80 Neuheiten bot das automobile Premierenfeuerwerk des Modelljahrs 1996, und darunter findet sich für fast jeden etwas. Für die Future-Classics-Fans von heute, die mit Modellen wie dem Klappdach-Sportler Mercedes SLK oder den Frischluftstars Porsche Boxster und BMW Z3 heute noch bezahlbare Autos mit potenziellem Sammler- und Wertsteigerungsstatus kaufen, oder für Nostalgiker, die sich mit Familien-Vans wie Renault Espace, Opel Sintra, Seat Alhambra und Toyota Picnic in ihre unbeschwerte Kindheit zurückbeamen wollen. Apropos Picnic: Wer kennt ihn heute eigentlich noch, diesen unaufgeregten Japaner mit Nehmerqualitäten, der in der TÜV-Mängelstatistik ebenso wie Porsche Boxster und Mercedes SLK durch Unauffälligkeit glänzte, ehe er auf Verschleiß gefahren, zu einem der vielen Verschrottungsprämien-Opfer des Jahres 2009 avancierte? Dieser Toyota zählt zu den vergessenen Helden des Jahrgangs 1996, er stellt sich in eine Reihe mit anderen Namen, die heute kaum jemand kennt.

Clarus, Cordoba, Baleno, Saxo, Tiburon, Primavera, Palio und Marea – wer erinnert sich an dieses preiswerte Import-Portfolio, das perfekt in jenes Jahr passte, in dem die Deutschen zu Spar-Weltmeistern avancierten. Während alle EU-Länder, die bei der kommenden neuen Währung Euro mitmachen wollten, 1996 ihren Haushalt auf Sparkurs brachten, erreichten die Spar- und Anlagekonten der Bundesbürger Rekordstände. Trotzdem florierte der Autoabsatz, dabei profitierten die Anbieter bezahlbarer Importmodelle aber besonders. Also Marken wie Kia, Seat, Suzuki, Citroen, Hyundai, Nissan oder Fiat, die u.a. mit den oben genannten, kurzzeitig klangvollen, aber rasch verschwundenen Modellnamen auffielen. Vor allem Frauen fühlten sich von ebenso stilvollen wie erschwinglichen Cityflitzern angezogen: Deshalb machten sich neben neuen Stil-Ikonen wie dem Ford Ka auch etablierte Mini-Stars frisch. Der Toyota Starlet debütierte in Neuauflage bevor der Yaris den Staffelstab übernahm, den Peugeot 106 gab es 1996 als Citroen-Klon Saxo, der uralte Mini versuchte als „1.3“ ein finales Revival vor dem Debüt des New Mini made by BMW – und Lancia Y, Nissan Micra sowie Renault Twingo erhielten etwas Make-Up. Feiner als der Golf IV, aber konstruktiv verwandt gab sich der kompakte Audi A3. Dagegen wurde das Messedebüt der kleinen Mercedes A-Klasse auf März 1997 verschoben – nicht ahnend, dass die A-Klasse danach erst durch serienmäßiges ESP auf sicher-stabile Spur gebracht werden musste, um auch den sogenannten Elch-Ausweichtest zu bestehen.

ESP, diese ab 2014 in der EU für alle Neufahrzeuge verpflichtende Sicherheitstechnik, gab es vor 30 Jahren nur in neuen Oberklassemodellen wie der Mercedes S-Klasse oder dem BMW 7er (E38), aber ABS (Vorschrift ab 2004) oder Airbags zogen allmählich auch in Kompaktklassemodelle ein. Gleichzeitig setzte das Bundesverkehrsministerium auf den Ausbau der Autobahnen, insbesondere auf den unfallträchtigsten Ost-West-Strecken wie der A2. Nachdem die Verkehrsunfallstatistik 1991, im Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung, 11.300 Getötete verzeichnete, ging die Zahl der Verkehrstoten 1996 auf 8.758 zurück – aber noch drei Mal so viele wie 2024.

Vorbildlich sicher und gleichzeitig „Alles, bloß nicht langweilig“, sollten neue Autos laut einem Volvo-Werbeslogan 1996 sein, und deshalb renovierten die Schweden gleich ihr komplettes Programm: Vom V40 bis zum vielseitigen V90 reichte nun das skandinavische Typenportfolio – inklusive des schönen Endorphin-Boosters C70. Ein Coupé, auf das Peugeot mit dem aufregend designten zweitürigen 406 in Pininfarina-Couture antwortete. Enthusiastische Motorjournalisten meinten gar, beim Peugeot Coupé habe Pininfarina die Linie des neuen Ferrari 456 GTA zitiert. Das Sportjahr 1996 – in dem die deutsche Elf unter Berti Vogts in einem denkwürdigen Finale gegen Tschechien die Fußball-Europameisterschaft gewann (Oliver Bierhoff schoss das erste Golden Goal der Geschichte) und der Fackelläufer Muhammad Ali das olympische Feuer in Atlanta entzündete – brachte weitere automobile Siegertypen hervor.

Unter dem Slogan „The Cat is back“ ließ Jaguar den XK8 als Coupé und Cabrio von der Leine und tatsächlich konnte es der XK8 auf einigen Märkten mit Mercedes SL und Porsche 911 aufnehmen. Aus dem Land des neuen Pokémon-Phänomens kam 1996 die fünfte Generation des Honda Prelude mit Allradlenkung; dagegen schickten die USA „Toy Story“ als weltweit ersten digitalen Trickfilm in die deutschen Kinos und Chrysler die zweite Generation der Viper GTS mit bärenstarkem 8,0-Liter-V10 in die Showrooms. Für Autokäufer, denen Nervenkitzel völlig fremd war, und die ihr Budget für Familie und Business einsetzten, hatte Skoda ein cleveres Angebot: Der neue Octavia basierte auf der Plattform des VW Golf IV und beeindruckte mit schickem Design im Lancia-Look – so die Meinung mancher Motorjournalisten – und viel Platz zu günstigen Preisen. Ein unaufgeregter Tscheche, der Skoda in einen Big Player unter den europäischen Autobauern transformierte. Auch Volkswagen wollte stilvoll wachsen: Chefdesigner Hartmut Warkuß zeichnete die Passat (B5) Limousine mit einem eleganten Dachbogen, an Stammtischen „Warkuß-Bogen“ genannt. Zum weltweit meistverkauften Allrad-Kombi avancierte dagegen fast unbemerkt der japanische Subaru Legacy, der als Outback den Crossover-Trend belebte. Langweilig war das Jahr 1996 nicht – gut für alle Oldtimerfans. 



Neue H-Kennzeichen-Kandidaten im Jahr 2026:

Alfa 145/146 (neue, quer eingebaute Reihenmotoren statt der traditionellen Boxermotoren), Alfa GTV 3.0 V6, Alpina B3 3.2, Aston Martin DB7 Volante, Audi A3, Audi A4 Avant (B5; Debüt 11/1995, Auslieferung ab 1996), Audi S8, Bentley Brooklands Light-Turbo, Bentley Continental T, BMW Z3 (Debüt 11/1995, Auslieferung ab 1996), Buick Park Avenue (neue Generation), Chevrolet Malibu (neue Generation), Chevrolet Trans Sport (Europa-Version des Chevrolet Venture), Chrysler Stratus (Debüt Ende 1995, Europa-Auslieferung ab 1996), Chrysler Sebring Convertible (Debüt Ende 1995, Europa-Auslieferung ab 1996), Chrysler Viper GTS, Chrysler Voyager 3.8 V6 4WD, Citroen Saxo (Debüt 12/1995, Auslieferung ab 1996), Citroen Berlingo,  Citroen Xantia V6, Dacia Nova, Ferrari 550 Maranello, Ferrari 456 GTA,  Fiat Marea, Fiat Palio (Weltauto aus brasilianischer Fertigung, in Europa als Kombi Weekend), Ford Expedition, Ford Ka, Honda Logo, Honda Prelude (Typcode BB6, fünfte Generation), Honda Legend (zweite Generation), Hyundai Coupé (Tiburon), Jaguar XK8 Coupé und Cabriolet, Jeep Wrangler (neue Generation), Kia Clarus, Kia KMS-II (Elan), Lada Oka, Lada 110 2.0 GTi, Lancia Kappa Coupé, Lancia Kappa Station Wagon, Lotus Elise (Debüt 09/1995, Auslieferung in Deutschland ab 1996), Lotus Esprit V8 Turbo, Mazda 121 (Typ JASM, Debüt 1995, Auslieferung ab 1996, Parallelmodell zum Ford Fiesta), Mazda Demio, McLaren F1 GTR, Mercedes-Benz SLK (04/1996), Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell (S202), Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell (Baureihe 210), Mercury Mountaineer, (Rover) Mini 1.3/Mini Cooper 1.3 (der Mini bereitet sich auf Finale seiner Karriere vor), Nissan Primera (P11, zweite Generation), Opel Vectra Caravan (Vectra B), Opel Sintra, Peugeot 306 GTI, Peugeot 406 Break, Peugeot 406 Coupé, Peugeot Partner, Plymouth Prowler, Pontiac Grand Prix (neue Generation), Porsche Boxster, Proton Perdana (Weltpremiere Brüssel 1996), Renault Mégane Scénic, Renault Mégane Cabriolet, Renault Espace (dritte Generation), Rolls-Royce Silver Dawn LWB, Seat Cordoba 2-türig, Seat Alhambra (Debüt 09/1995, Marktstart 1996), Skoda Octavia (zweite Generation seit 1959), Subaru Legacy Outback (Debüt 1995, Marktstart 1996 in Deutschland), Suzuki Baleno Wagon, Suzuki X-90 (Debüt 09/1995, Marktstart 1996), Tatra 700, de Tomaso Bigua, Toyota Starlet (P9), Toyota Paseo, Toyota Picnic, Toyota Camry (neue Generation), Toyota Land Cruiser J9, Toyota 4-Runner (neue Generation), TVR Cerbera GT, Volga 3110, Volkwagen Passat Limousine und Variant (B5), Volvo V40 (Debüt 12/1995, Marktstart 1996), Volvo S70, Volvo V70, Volvo S90, Volvo V90, Volvo C70. 

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