Lars Döhmann (vm) - 8. Januar 2014, 15:35 Uhr OLDTIMER
38 Millionen Euro für einen 250 GTO Ferrari
Unaufhaltsam scheint die Preisentwicklung bei Oldtimern zu sein.
Experten im Bereich Oldtimer-Handel wie Schröder & Weise Classics aus Hannover raten dazu, für große Gewinne hoch einzusteigen. Große Wertsteigerungen sind demnach vor allem bei solchen Fahrzeugen zu erzielen, die bereits hoch gehandelt werden. Dazu müssen sie über eine spezielle, nachvollziehbare Historie verfügen und nur in geringer geradezu homöopathischer Dosis entstanden sein; eben wie ein Ferrari 250 GTO.
Solche Fahrzeuge finden sich nur in Ausnahmefällen in Kleinanzeigen einschlägiger Fachzeitschriften wie Oldtimer Markt, Auto Bild Klassik oder Motor Klassik. Sie sind eher in den Katalogen von Auktionshäusern zu finden, beispielsweise bei Coys (www.coys.co.uk), Barret-Jackson (www.barret-jackson.com) Russ and Steel (www.russandsteel.com), Bonhams (www.bonhams.com), Gooding (www.goodingco.com) und RM Auctions (www.rmauctions.com).
Bereits in den kommenden Tagen stehen Oldtimer-Versteigerungen an, beispielsweise am 11. Januar in England bei Coys oder zwischen dem 12. und 19. Januar in Scottsdale in den USA, wo unter anderem Bonhams auftritt sowie im amerikanischen Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Neben dem benötigten Geld müssen Interessenten gute Nerven mitbringen, denn Versteigerungen sind eine ganz spezielle Form des Einkaufens.
Spätestens wenn ein unsichtbarer Telefonbieter mit immer höheren Geboten das selbst abgegebene immer wieder übertrumpft, sind gute Nerven gefragt. Wichtig ist jedoch bereits vor dem Einstieg in diese kitzelige Angelegenheit, mit einer eigenen Expertise über das zu ersteigernde Objekt genauestens Bescheid zu wissen.
Gleiches gilt auch für den Käufer eines mehr oder weniger alltäglichen Fahrzeugs im Alter von 30 Jahren und mehr. Gelegenheiten zum Kauf von Oldtimern bieten sich bei den diversen Oldtimer-Messen wie der Bremen Classic Motorshow Anfang Februar, der Retro Classics in Stuttgart oder der Techno Classica in Essen im März. Oft sind hier an den angebotenen Fahrzeugen kühne Preisforderungen zu lesen, die weder durch den Erhaltungszustand des Fahrzeugs, noch seine Historie oder andere Gründe zu rechtfertigen wären. Ohne verhandeln zu kaufen, wäre natürlich eine Dummheit - jedenfalls in den meisten Fällen. Ausnahmen, bei denen der Käufer früh genug aufgestanden ist und vor anderen Kaufinteressenten ein unter Wert eingestuftes Objekt entdeckt, bestätigen die Regel. Mit Know-how fängt der frühe Vogel den Wurm.
Bevor ein Oldtimerbesitzer sich die Hände über den nach Jahren entstandenen Gewinn reiben kann, sollte er eine saubere Rechnung aufmachen. Zunächst einmal bringt nicht der reine Besitz eines alten Fahrzeugs den eigentlichen Lustgewinn. Freude am Oldtimer entsteht beim Schrauben oder Fahren. Beides kostet zunächst Geld, das vom möglichen Wertzuwachs abzuziehen ist.
Oldtimer sind im Vergleich zu einem anderen Hobby finanziell oft vorteilhaft: So ist das Leben des geliebten Pferdes leider endlich, und das schöne neue Segelboot bringt nach einigen Jahren auf dem Gebrauchtmarkt nur einen Bruchteil der ehemaligen Anschaffungskosten.
Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) beziffert die durchschnittlichen jährlichen Kosten für Wartung, Erhalt und Pflege eines Oldtimers mit 5 300 Euro. Steuer, Versicherung und Kraftstoffkosten kommen dazu. Zusätzlich müsste bei einer sauberen Kalkulation eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals eingerechnet werden.
Einen effektiven Wertzuwachs dürften bei dieser Berechnung die wenigsten Oldtimer tatsächlich erzielen. So könnten die Hoffnungen derjenigen platzen, die jetzt einen Ferrari Testarossa der 1980er-Jahre kaufen. Das italienische Zwölfzylindermodell feiert in diesem Jahr den 30. Geburtstag und kann damit offiziell den Oldtimer-Status in Deutschland erhalten. Der wahrscheinliche Wertzuwachs wird dennoch limitiert sein: Der Wagen bräuchte alle zwei Jahre einen Zahnriemenwechsel, der zwischen 5 000 Euro und 7 500 Euro kosten dürfte. Mehr oder weniger regelmäßig sind Reifen und eine neue Batterie fällig und zumeist kostet auch der Stellplatz Geld. Immerhin bleiben Fahrerlebnis und Motorsound unbezahlbar ...
Dieser Artikel aus der Kategorie OLDTIMER wurde von Lars Döhmann (vm) am 08.01.2014, 15:35 Uhr veröffentlicht.
