MOTOR-EXCLUSIVE

Ulf Böhringer/SP-X - 5. November 2014, 10:18 Uhr MOTORRAD

EICMA-Superbikes - 200 PS sind jetzt das Minimum

Für 2015 gibt es neue Superbikes von Aprilia und Yamaha. Kawasaki zeigt die supersportliche Ninja H2 mit Kompressormotor, Honda den Prototyp seines exklusiven V4-Superbikes. Unter 200 PS geht mittlerweile nichts mehr.

Leistungsstarke und supersportliche Motorräder stehen im Mittelpunkt des Interesses auf der noch bis zum kommenden Sonntag dauernden Mailänder Motorradmesse EICMA. Nachdem BMW auf der Intermot vor fünf Wochen die neueste Generation seines Superbikes S 1000 RR vorgestellt und damit die Latte erneut höher gelegt hat, ziehen jetzt gleich mehrere Wettbewerber nach. Ducati präsentiert in Mailand die neue Generation des Superbikes Panigale, Yamaha eine Neuauflage der YZF-R1. Honda stellt mit der RCV213V-S einen direkten Ableger des MotoGP-Bikes vor, der sich allerdings noch im Prototypenstadium befindet, und Aprilia hat seine RSV4 upgedatet. Kawasaki stellt seine technologische Leistungsfähigkeit mit der Vorstellung der supersportlichen Ninja H2 unter Beweis, die mit einem 200 PS leistenden Kompressormotor ausgerüstet und straßenzulassungsfähig ist; die auf der Intermot in Köln gezeigte H2R mit 300 PS Maximalleistung darf nur auf abgesperrten Strecken gefahren werden.

Das Nachfolgemodell der vor drei Jahren auf der EICMA vorgestellten und im Verkauf sehr erfolgreichen Ducati 1199 Panigale erhält einen auf 1.285 Kubikzentimeter Hubraum vergrößerten Zweizylindermotor, der nach Herstellerangaben 151 kW/205 PS und damit 10 PS mehr als der Vorgängermotor leistet; das maximale Drehmoment steigt von 132 auf 146 Nm Drehmoment. Vor allem die Vernetzung der zahlreichen Fahrassistenzsysteme hat enorme Fortschritte gemacht. Während im Grundmodell die USD-Gabel und das Zentralfederbein mechanisch eingestellt werden müssen, gibt es für die höherwertige Panigale S ein semiaktives Fahrwerkseinstellsystem. Ein schräglagenfähiges ABS ist bei beiden 1299er Versionen genauso serienmäßig wie ein Quickshifter fürs Hinauf- und Herunterschalten. Das fahrfertige Gewicht von 1299 Panigale und Panigale S gibt Ducati mit nur 190,5 Kilogramm an; damit wären die Italo-Superbikes fast unglaubliche 13 Kilogramm leichter als die neue BMW S 1000 RR (204 kg), deren Motorleistung vom Hersteller dezent mit 199 PS angegeben wird.

Extrem gespannt waren die Freunde der Marke Yamaha auf die neue Generation des Superbikes YZF-R1; die letzte R1-Generation war 2009 erschienen und durch die damals erstmalig präsentierte BMW S 1000 RR mit ihrer Elektronik-Wucht hierzulande nie auf die für frühere R1-Generationen übliche Stückzahl gekommen. Das soll nun wieder anders werden. Dafür hat Yamaha enormen Aufwand getrieben und eine von Grund auf neue Version entwickelt. Das neue Superbike weist diverse technische Bezüge zur erfolgreichen MotoGP-Rennmaschine M1 auf und agiert absolut auf Augenhöhe mit den besten Modellen der Wettbewerber. Die Kenndaten der R1 sind eindrucksvoll: 199 Kilogramm fahrfertigem Leergewicht stehen exakt 200 PS gegenüber. Sämtliche momentan bekannten Fahrassistenzprogramme bis hin zum schräglagenfähigen Race-ABS werden genauso geboten wie eine sehr hochwertige Ausstattung mit TFT-Instrumentendisplay, LED-Scheinwerfern, Titanauspuff und Magnesiumrädern. Zusätzlich gibt es, vorläufig limitiert, das Sondermodell R1M; bei ihm sind ein Datenlogger-System, diverse Karbon-Verkleidungsteile und ein semiaktives Fahrwerkssystem mit einer Regelungstechnik aus der M1 bereits enthalten.

Eine neue Generation der RSV4 schickt Aprilia 2015 in das Rennen um die Gunst der Kunden. Besonders spürbar wird die Überarbeitung angesichts der um 17 PS auf nun 148 kW/201 PS bei 13.000 U/min gesteigerten Motorleistung. Wie alle Wettbewerber bietet sie ein breites Spektrum an Fahrassistenzsystemen von der Traktionskontrolle über Wheelie- und Launchkontrolle sowie Quickshifter bis zum Race-ABS. Ein auch in Schräglage wirksames ABS wie die Ducati 1299 Panigale weist die RSV4 aber nicht auf. Es gibt sie in zwei Versionen: als RSV4 RR mit vielfach einstellbaren Federelementen von Sachs und als RSV4 RF mit noch höherwertigen Federelementen von Öhlins und mit Schmiederädern statt Aluminiumguss-Rädern. Auch der Lenkungsdämpfer ist bei der RF-Version einstellbar.

Nicht in das Renn-Reglement der Superbike-Kategorie passt die neue Kawasaki Ninja H2, obwohl sie ebenfalls eine supersportliche Konzeption aufweist. Doch ihr neu entwickelter Kompressormotor lässt den Einsatz der H2 in internationalen Rennserien nicht zu. Während das Triebwerk in der nicht zulassungsfähigen Version H2R nach Herstellerangaben 300 PS beträgt, leistet es im Serienfahrzeug 200 PS. Aufgrund des Kompressors soll die Beschleunigung dennoch besser sein als die von bislang bekannten Superbikes. Um den Fahrer unter allen Umständen im (Solo-)Sitz zu halten, haben die Entwickler seitliche Beckenpolster konstruiert. Erstmals bei einer Kawasaki wird eine Einarmschwinge montiert und auch das ,,Dog Ring"-Getriebe ist eine Neuheit, die bisher nur bei Grandprix-Maschinen verwendet wird. Weitere Assistenzsysteme: KTRC steht für die Traktionskontrolle mit vier Modi, KLCM für die Launch Control zu maximalen Beschleunigen, KEBC für die elektronisch beeinflussbare Motorbremssteuerung und KIBS für Kawasakis intelligentes Antiblockiersystem. Zu haben ist die Über-Kawa ab Frühjahr 2015 für voraussichtlich gut 20.000 Euro.

Noch nicht in Serienversion zu sehen ist die Honda RCV213V-S, ein äußerst exklusives Superbike, das im Grunde eine aktuelle MotoGP-Rennmaschine mit Beleuchtung, Spiegeln, ABS und Kennzeichenhalter darstellt. Sicher ist nur, dass dieses Bike den V4-Rennmotor aufweist und in äußerst geringer Zahl gefertigt werden wird - zu einem sicherlich astronomischen Preis. Honda macht keinerlei Angaben zum Fahrzeug selbst und zum Verkaufspreis; die Schätzungen in Mailand liegen aber klar im sechsstelligen Bereich von um die 150.000 Euro.

Ebenfalls ein supersportliches Motorrad, allerdings quasi in Bonsai-Ausführung, stellt die neue Yamaha YZF-R3 dar. Bei ihr handelt sich um einen leichten Sportler für A2-Führerscheininhaber; der Zweizylinder-Reihenmotor leistet aus 321 Kubikzentimetern Hubraum 31 kW/42 PS. Da das fahrfertige Leergewicht bei nur 169 Kilogramm liegen soll, sind sehr gute Fahrleistungen zu erwarten. Je eine Scheibenbremse vorne und hinten sowie ein ABS sorgen die nötige Verzögerung. Der in den Farben Blau und Schwarz lieferbare Klein-Supersportler für die Freunde des gebückten Fahrens wird ab Mai 2015 bei den deutschen Yamaha-Händlern zu haben sein.

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRAD wurde von Ulf Böhringer/SP-X am 05.11.2014, 10:18 Uhr veröffentlicht.