Ralf Schütze/SP-X - 16. Juni 2015, 16:37 Uhr MOTORRAD
Harley-Davidson Dark Custom - Tuning zwischen Trend und Tradition
Keine Motorradmarke betreibt so lange Customizing, wie Harley-Davidson. Dem trägt die US-Marke jetzt erneut Rechnung mit ihren fünf ,,Dark Custom''-Modellen. Der ,,Custom King'' kommt aus Prag und wurde standesgemäß beim großen Festival ,,Wheels And Waves'' in Biarritz gekürt.
Mehr als 30.000 Fans hatten über die ursprünglichen 150 Kandidaten zur ,,Battle of the Kings" abgestimmt. Übrig blieben fürs Finale in Biarritz schließlich fünf Street 750-Umbauten, die im Rahmen der Wettbewerbs-Limits von maximal 4.000 Euro und 50 Arbeitsstunden entstanden waren. Die Top Five kamen aus Tschechien, Norwegen, Deutschland, Frankreich und Zypern. Die Art der Umbaumaßnahmen spiegelte die aktuellen Trends der Custom-Szene wieder, die sich auch in Biarritz traf: ,,Bobber" mit dicken Ballonreifen, ,,Cafè Racer" mit Einzelsitzbank und tiefen Lenkerstummeln, ,,Chopper" mit hohem Lenker und Flitterlack oder ,,Scrambler" fürs leichte Gelände mit hochgelegtem Auspuff und Stollenreifen.
,,Sowohl die Top Five, als auch die vielen umgebauten Bikes hier auf dem Festival sind eine echte Inspiration - Du siehst, worauf die Leute kreativ abfahren. Und Du siehst auch, was handwerklich so alles möglich ist." Harley-Davidsons Chef-Designer Ray Drea zeigte sich begeistert von Wheels And Waves insgesamt und besonders von den Finalteilnehmern am Tuning-Wettbewerb. Zu Harleys langer Customizing-Tradition meinte er: ,,Nach dem Zweiten Weltkrieg war 'bobbing' ein neuer Trend - also Teile abzubauen und ein cooles, gefährlich wirkendes Bike entstehen zu lassen." In den 70ern kamen laut Drea dann die ebenfalls gestrippten Chopper, allerdings zusätzlich mit grellen Flitterlacken und verlängerten Gabeln. All diese Trends würde man heute im Customizing wiederfinden, und somit vermischten sich Trend und Tradition zu reizvollen neuen Kreationen.
Zur besonders für Umbaumaßnahmen geeigneten ,,Dark Custom"-Reihe von Harley-Davidson gehören die in der Battle of the Kings umgebaute Street 750 sowie die weiteren Typen Iron 883, Forty-Eight, Street Bob und Fat Bob. Die Käufer dieser minimalistischen Dark Custom-Modelle sind, folgt man dem deutschen Marketing-Leiter Frank Klumpp, eine ideale Basis zum Tunen. Seiner Einschätzung nach wird fast jedes Harley-Modell nach und nach veredelt. Folgerichtig sei der aktuelle Zubehör-Katalog der US-Marke mit 888 Seiten so dick wie das Telefonbuch von New York. ,,Da findet jeder etwas für seinen persönlichen Geschmack. Und wenn man immer noch nicht das Richtige findet, hat jeder Händler individuelle Lösungen parat."
So wie die handwerklich anspruchsvollen Einzelanfertigungen an der Siegermaschine der Battle of the Kings aus Tschechien: ,,Pride of Prag" zeichnet sich besonders durch selbst gedengelte Teile wie Halbverkleidung, Tank und Sitzbankhöcker aus. Dazu kommen Details wie LED-Licht, ein verkürzter Heckrahmen oder ein Handy als Tachometer. Neben den fünf Kontrahenten im Wettbewerb zeigte Harley-Davidson verschiedenartige Umbauten von Shaw in Holmes Hill südlich von London. Steven C. Willis verantwortet die dortigen Custumzing-Projekte und lobte in Biarritz besonders die mit 7.995 Euro relativ erschwingliche Street 750 als Tuning-Basis: ,,Die Street ist enorm anpassungsfähig. Mit ihr kannst Du für beinahe jeden Kundengeschmack ein individuelles Motorrad kreieren."
Wie wertvoll diese Eignung zum Customizing sein kann, bewiesen die unendlich vielen individuellen Umbauten in Biarritz, wo sich teilweise bei strömendem Regen geschätzte 4.500 Bikes und noch mehr Besucher einfanden. Im Serienzustand waren die wenigsten Motorräder.
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