Mirko Stepan - 15. Februar 2017, 11:08 Uhr MOTORRAD
110 Jahre im Motorsport: Pirelli für die Pole Position
Unbefestigte Pisten mit Schlaglöchern, teils schlammig, sandig, rutschig. Als ein Itala 35/45 PS 1907 nach 16.000 Kilometer bei der Rallye Peking-Paris als erster die Ziellinie überquert, ist das eine Sensation mit Blick auf das junge Automobil. Und der Startschuss für eine internationale Rennkarriere, die jetzt seit 110 Jahren andauert. Die des Reifenherstellers Pirelli.
Das gilt es zu feiern, also haben die Italiener in die heiligen Hallen des Automobils auf italienischem Boden geladen - das Museo Nazionale dell'Automobile in Turin, eines der berühmtesten Auto-Museen der Welt. Wenn es um Pirelli und Rennsport geht, dürfen namhafte Gäste nicht fehlen. Unter ihnen ist Rennfahrer und Olympiasieger Alex Zanardi - zu Lebzeiten bereits eine italienische Legende. Seinen ersten internationalen Rennerfolg habe er mit Pneus von Pirelli gefeiert, verrät der 50-Jährige. Das schweißt wohl zusammen, denn auch sein Erfolg in Mugello im vergangenen Oktober beim BMW M6 GT3-Debüt wurde von Pirelli als Ausrüster mitgefeiert.
Natürlich ist bei der "Liebesbeziehung" Pirelli und Motorsport auch die Formel 1 nicht weit, vor allem, wenn die Reifen - wie in diesem Jahr - ein Thema sind, das für Gesprächsstoff sorgt. Zanardi erwartet eine abwechslungsreiche Saison: "Wenn sich die Regeln so stark ändern wie in diesem Winter, beginnen die Teams ihre Entwicklung mit einem leeren Blatt Papier. Das gibt den Ingenieuren Raum, Lösungen zu finden, die niemand sonst hat. Wir werden in Melbourne zum Saisonstart sicher einige Überraschungen erleben. Ich als Fan kann es kaum erwarten, es mir zuhause auf der Couch gemütlich zu machen."
Ähnliches ist von McLaren-Teamchef Eric Boullier zu hören, der sicher ist: "Die Autos werden sich stark voneinander unterscheiden." Hintergrund sind umfangreiche Regeländerungen, die dafür sorgen, dass die Chassis der Autos breiter werden - und auch die Reifen, die vorn von 245 auf 305 Millimeter und an der Hinterachse von 325 auf 405 Millimeter wachsen. Da Pirelli aber bisher nur mit überarbeiteten Autos der 2016er Saison testen konnte, sind noch viele Fragen offen. Stefano Domenicali, ehemaliger Rennleiter der Scuderia Ferrari und CEO von Lamborghini - die Marke ist ebenfalls Kunde und Entwicklungspartner von Pirelli - wagt keine konkrete Prognose: "Wir müssen das erste Rennen abwarten."
Der Rennsport ist die große Bühne für Pirelli. Aber es geht hier nicht nur um den Erfolg auf der Strecke. Die Rennpisten dieser Welt, ob asphaltiert, geschottert, mit Sand oder Matsch belegt, sind die beste Werbeplattform für den Hersteller. Wie sollte man ein schwarzes Ding aus Gummi auch anders vermarkten als mit puren Emotionen? 2.200 Rennen in 340 Wettbewerben bestreitet das Unternehmen pro Jahr - auf zwei und vier Rädern. Zugpferd sind die Superbike-WM (seit 2004) und - natürlich - die Formel 1 (seit 2011). Wie stark sich solche Anstrengungen in der Entwicklung von Serienreifen niederschlagen, sei dahingestellt. Klar ist: Pirelli bestückt nach eigenen Angaben im Luxus- und Sportwagen-Segment jedes zweite Auto. Und kann mit 650 Erstausrüster-Zulassungen auf einen Spitzenwert verweisen.
Und auf eine Geschichte, die kaum ein anderes Unternehmen vorweisen kann. Bei den ersten vier Weltmeisterschafts-Autos in der Formel 1 waren Pirelli-Reifen aufgezogen. Siege bei der Rallye Monte Carlo des legendären Lancia Stratos - auf Pirellis. Drei von vier WM-Titel von Sebastian Vettel (2011 - 2013) mit Red Bull - ebenso mit Reifen von Pirelli. Dazu kommen zahlreiche Straßenwagen, die mit der Firma mit dem unverwechselbaren Schriftzug in Verbindung zu bringen sind. Zum Beispiel der Supersportwagen der späten 1980er, der Ferrari F40, der mit dem ersten P Zero vorfuhr oder der aktuelle Porsche 911 S Turbo.
Wenn die Italiener in 40 Jahren das 150-jährige Rennsport-Jubiläum feiern, werden Straßen- und auch Rennwagen vermutlich von Elektromotoren angetrieben, einige fahren gar autonom und sind aus recyclebaren Materialien gebaut. Nur die Reifen werden weiterhin aus Gummi sein - und viele von ihnen den markanten gelben Pirelli-Schriftzug tragen.
Mirko Stepan / mid
Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRAD wurde von Mirko Stepan am 15.02.2017, 11:08 Uhr veröffentlicht.
