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7Yamaha Tenere 700: Reise-Enduro für eine Motorradtour um die Welt
mid Groß-Gerau - mid-Autor Rainer Unruh im Praxistest mit der Yamaha Tenere 700. Johannes Unruh / mid
MOTORRRAD
Johannes Unruh - 9. Juni 2020, 17:13 Uhr MOTORRRAD

Yamaha Tenere 700: Reise-Enduro für eine Motorradtour um die Welt

Um den gesamten Erdball muss es ja nicht gleich gehen. Eines ist jedoch sicher, die Tenere 700 würde eine solche Tour locker meistern. Aber auch kleinere Ausflüge bringen großen Spaß mit der Reise-Enduro. 'Tenere' bedeutet in der Sprache der Tuareg 'Land da draußen'. Und mehr will sie auch gar nicht, als 'ins Land da draußen', egal ob ihr Sand oder Asphalt unter die Reifen kommt. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat die Yamaha getestet.


Um den gesamten Erdball muss es ja nicht gleich gehen. Eines ist jedoch sicher, die Tenere 700 würde eine solche Tour locker meistern. Aber auch kleinere Ausflüge bringen großen Spaß mit der Reise-Enduro. "Tenere" bedeutet in der Sprache der Tuareg "Land da draußen". Und mehr will sie auch gar nicht, als "ins Land da draußen", egal ob ihr Sand oder Asphalt unter die Reifen kommt. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat die Yamaha getestet.

Die Wurzeln der Tenere gehen zurück bis ins Jahr 1976. Damals stellte Yamaha das Abenteuer-Motorrad XT500 vor. Mit ihrem drehmomentstarken Motor und dem kompakten Fahrwerk wurde die Einzylinder-Maschine schnell zum Hit der Szene und zum meistverkauften Yamaha-Modell. Den Namen "Tenere" trug dann 1983 erstmals die Yamaha XT600Z. In den 1990er Jahren holte der Franzose Stephane Peterhansel mit der Werksmaschine XTZ750 sechs Siege bei der Rallye Dakar. Danach wurde es ruhig um die Tenere. Es entstanden zwar weiter Enduros im Hause Yamaha, die sind aber eher als "Soft-Enduros" zu bezeichnen. Ein herausragende Reise-Enduro wie die aktuelle Tenere 700 war nicht darunter.

Die ist ein richtiges Männer-Abenteuer-Ding, schlank, hoch aufgeschossen, schmale harte Sitzbank, langer Radstand, aggressive Frontansicht mit vier LED-Scheinwerfern im 2+2-Layout angeordnet, kein angebauter Schnick Schnack. Ab der Körpergröße von 1,80 Metern geht das Aufsitzen auf die Sitzbank der Tenere geschmeidig. Die Sitzhöhe beträgt heftige 875 Millimeter. Diese Höhe hilft jedoch bei der Tour im Gelände, denn Offroad-Biker müssen sich immer wieder mal in den Stand aufrichten, um so die Maschine besser kontrollieren zu können. Das ist von einer höheren Sitzbank aus einfacher. Yamaha bietet im Zubehör auch eine niedrige Bank an.

Die ersten Kilometer sind absolviert. Auf der Yamaha stellt sich die "Leichtigkeit des Seins" ein. Mit nur 204 Kilogramm ist dieses Motorrad das Leichtgewicht unter den größeren Reise-Enduros. Die Sitzbank ist schmal, aber nicht allzu hart. Der schlanke Kraftstofftank, der mit 16 Litern betankt werden kann, wird locker zwischen die Knie genommen. Die Hände liegen entspannt und durch Handprotektoren geschützt auf dem Lenker. Das hoch aufgestellte, nicht verstellbare Windshield hält Wind und Regen ab. Läuft also mit der Tenere.

Der wassergekühlte Zweizylinder-Reihenmotor passt zur Yamaha. Die 73 Pferdestärken, mit denen er bestückt ist, reichen vollkommen aus. Es müssen nicht immer über 100 PS sein, um Fahrspaß zu haben. Überhaupt: Das eher puristische der Tenere 700 versprüht Charme. Der Twin ist drehfreudig, die Gänge sind leicht durchschaltbar und der Handhebel kann locker mit zwei Fingern bedient werden. Die Bremsen greifen gut, im Praxistest werden viele Pluspunkte gesammelt. An Bord sind weder elektronisch wählbare Fahrmodi noch Traktionskontrolle oder Schaltautomatik. Ein Offroad-ABS oder gar Smartphone-Connection - nicht daran zu denken.

Das Cockpit ist ebenso einfach und klar gestaltet. Gut ablesbar und sauber gegliedert lassen sich alle Informationen auf dem Display ablesen. Auch hier ist weniger mehr. Überbordende Informationen ade. Kilometerzähler, Tourenzähler, ein Schalter, um das ABS im Gelände abzuschalten - das war es auch fast schon.

Apropos Gelände: Kaum geht es ein wenig abseits asphaltierter Straßen in den Märkischen Sand, zeigt die Yamaha was sie noch so kann. Im Stehen, Füße auf den Rasten, bereit zu schalten und zu bremsen, den Gasgriff leicht gezogen zieht sie locker und nie unruhig vom Fleck. Sie gibt die Rückmeldung: "Mit mir kannst Du Straße, Landstraße und Gelände, mit mir kannst Du quer durch Europa oder wenn Du magst, auch rund um die Welt fahren."

Back to the roots - zurück zu den Wurzeln - das ist die Yamaha Tenere 700. Sie kann viel und verbraucht dabei recht wenig: im Schnitt um die 4,5 Liter Benzin je 100 Kilometer. Wer wirklich auf große Reise gehen will, bekommt bei Yamaha auch noch ein stabiles, praktisches Gepäckträgersystem mit den passenden Aluboxen dazu. Der Preis für die Yamaha Tenere 700 startet bei 9.600 Euro.

Rainer Unruh / mid

Technische Daten Yamaha Tenere 700

- Motor: Flüssigkeitsgekühlt 4-Takt, 4 Ventile, DOHC, 2-Zylinder-Motor, Einspritzung, 6 Gänge, Kettenantrieb

- Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen, vorne USD-Telegabel Durchmesser 43 Millimeter (voll einstellbar)
21 Zentimeter Federweg, Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein (voll einstellbar), 20 Zentimeter Federweg

- Hubraum: 689 ccm

- Leistung: 54 kW/73 PS bei 9.000 U/min

- maximales Drehmoment: 68 Nm bei 6.500 U/min

- Bremse vorne: zwei Bremsscheiben, hydraulisch, Durchmesser 282 mm

- Bremse hinten: eine Bremsscheibe, hydraulisch, Durchmesser 245 mm

- Tankinhalt: 16 Liter (davon 4,1 Liter Reserve)

- Verbrauch / Reichweite: 4,2 Liter/100 km, Reichweite etwa 350 km

- Gewicht fahrbereit: 204 kg

- Sitzhöhe: 875 mm

- Höchstgeschwindigkeit: 186 km/h

- Preis: ab 9.600 Euro

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORRRAD wurde von Johannes Unruh am 09.06.2020, 17:13 Uhr veröffentlicht.