MOTOR-EXCLUSIVE

So funktioniert der Notbremsassistent
mid Groß-Gerau - Immer in Alktion: Ablenkung ist für den elektronischen Helfer kein Thema. Goslar Institut
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Rudolf Huber - 22. September 2021, 11:33 Uhr NEWS

So funktioniert der Notbremsassistent

Bei der wachsenden Zahl an Fahrassistenten in Autos geht es vor allem um die Sicherheit. Die elektronischen Helfer sollen die Fahrer vor brenzligen Situationen bewahren und im Fall der Fälle unterstützen, damit es gar nicht erst zu Unfällen kommt.


Bei der wachsenden Zahl an Fahrassistenten in Autos geht es vor allem um die Sicherheit. Die elektronischen Helfer sollen die Fahrer vor brenzligen Situationen bewahren und im Fall der Fälle unterstützen, damit es gar nicht erst zu Unfällen kommt. Ein wichtiges Hilfssystem hierbei ist der Notbremsassistent (Autonomous Emergency Braking System - AEBS). Er soll den Fahrer nicht nur rechtzeitig vor einem drohenden Auffahrunfall warnen, sondern einem solchen Ereignis gegebenenfalls auch durch eigenes beherztes Eingreifen zuvorkommen.

Dazu scannt das AEBS mit seinen Sensoren oder Kameras permanent alles, was vor dem Auto geschieht. Der Assistent überwacht speziell den Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug, misst die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den beiden Fortbewegungsmitteln und greift korrigierend ein, wenn kein ausreichender Sicherheitsabstand mehr gegeben ist.

Der elektronische Helfer kann beschleunigen, wenn der Vordermann schneller fährt, bzw. die eigene Fahrgeschwindigkeit verringern, wenn das Auto vor einem langsamer wird. Einfach ausgedrückt berechnet der Notbremsassistent kontinuierlich, ob ein Auffahrunfall droht.

Ist das der Fall, weist das System den Fahrer darauf mit einem akustischen Warnsignal hin, mit einer optischen Warnanzeige im Instrumentenbereich oder beidem. Damit hätte ein einfacher Kollisionswarnassistent seine Aufgabe schon erfüllt, nicht jedoch der Notbremsassistent. Der errechnet nämlich zugleich, wie viel Bremsdruck erforderlich ist, um einen Unfall noch zu verhindern, und baut diesen automatisch auf, sobald der Fahrer die Bremse betätigt - und zwar unabhängig davon, wie stark der Fahrzeuglenker von sich aus das Bremspedal betätigt.

Reagiert der Fahrer gar nicht oder nicht rechtzeitig auf die entsprechenden Warnungen des Systems, wird dieses selbstständig tätig und leitet eine Notbremsung ein. Im besten Fall wird dadurch ein Unfall verhindert, auf jeden Fall läuft die Kollision glimpflicher ab als ohne den elektronischen Helfer. Er leitet übrigens auch die entsprechenden Maßnahmen ein, wenn Kollisionskurs mit einem Fußgänger, einem Radfahrer oder anderen Verkehrsteilnehmern anliegt, so das Goslar Institut.

Laut Unfallauswertungen der Verbraucherschutz-Organisation Euro-NCAP sollen Fahrzeuge mit einem Notbremssystem deutlich seltener in Auffahrunfälle verwickelt sein als Autos ohne ein solches System. Als erfreulich wertet der ADAC daher, dass der Notbremsassistent auch Einzug in Kleinwagen- und Mittelklassemodelle gehalten hat.

Weil der Notbremsassistent in vielen Tests überzeugen konnte, gehört er seit 2015 europaweit zur Pflichtausstattung für alle neu zugelassenen Lkw mit mehr als acht Tonnen Gewicht. Und ab kommendem Jahr soll der sogenannte City-Notbremsassistent, der speziell auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet ist, für Neuwagen serienmäßig zur Pflicht werden.

Allerdings haben ADAC-Tests auch gezeigt, dass die Funktionalität dieser Assistenzsysteme eingeschränkt sein bzw. sich von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell unterscheiden kann. Als auffällig dabei hebt der Automobilclub die zum Teil sehr großen Differenzen zwischen einzelnen Fahrzeugmodellen hervor. Aber auch bei ein und demselben Auto stellten die Tester teilweise erhebliche Unterschiede bei der Notbremsung fest: So erkennt ein System zum Beispiel Fußgänger sehr gut und bremst rechtzeitig vor ihnen, versagt jedoch beim Bremsen vor einem Fahrradfahrer.

Außerdem arbeiten die Notbremsassistenten vielfach in unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen: Die günstigeren Systeme funktionieren oft nur bei innerstädtischem Tempo. Deshalb heißen sie auch City-Notbremsassistent oder ähnlich. Eines haben aber alle gemeinsam: Damit sie ihre Aufgaben einwandfrei erledigen können, müssen die Kameras oder Sensoren ein freies Sichtfeld haben. Deshalb sollten Autofahrer darauf achten, dass die "Augen" des Assistenten nicht durch Schmutz oder sonstwie beeinträchtigt sind, damit das Notbremssystem im Bedarfsfall seinen hilfreichen Job erledigen kann.

Dieser Artikel aus der Kategorie NEWS wurde von Rudolf Huber am 22.09.2021, 11:33 Uhr veröffentlicht.