Wolfgang Peters (vm) - 25. August 2014, 11:51 Uhr OLDTIMER
Schwede mit schnellem Rücken: Volvo PV444/PV544
Vor siebzig Jahren entstand der Mythos des unverwüstlichen Schweden-Autos: Der Volvo PV444 war 1944 ein Auto wie eine Faust.
Denn aus dem PV444 und seinem von 1958 an gebauten Ableger PV544 gingen alle Eigenschaften hervor, die noch aktuell und wohl für immer mit einem Volvo verbunden werden: hohe Haltbarkeit bis ins Methusalem-Alter, führend in der Crash-Sicherheit und ein konservativer Umgang mit übertriebenen Neuerungen. Bis ins Jahr 1986 hinein kamen alle Volvo-Modelle mit Hinterradantrieb, der Typ 480 war zwar der erste Volvo mit Frontantrieb, aber erst 1991 bemerkte die interessierte Öffentlichkeit die veränderte Antriebsform wirklich; der bullig motorisierte Volvo 850 setzte den Frontantrieb bei den Schweden durch. Und dann kam mit höheren Motorleistungen und den großen SUVs zusätzlich der Allradantrieb.
Daran war vor siebzig Jahren nicht zu denken. Die 1944er Autoausstellung mit der Premiere des PV444 begeisterte die Massen. Sie entdeckten den "Personenvagn mit 4 Zylindern 40 PS und 4 Sitzen" als Friedensfahrzeug und es sollte der Start für viele Schweden in die automobile Motorisierung der Massen werden. Im Design mit seinem schnellen Rücken orientierte sich der geräumige Schwede an den amerikanischen Vorbildern. Das Fastback sollte Schnelligkeit und Schnittigkeit signalisieren. Aber unter dem Blech huldigte er mit selbsttragender Karosserie, vorderer Einzelradaufhängung, großem Radstand und dem rückwärts gerichteten Kindersitz dem automobilen Fortschritt.
Zwar hatte Volvo einen recht angenehmen Sechszylinder im Regal, aber für die erhoffte Massenproduktion sollte ein Vierzylinder ausreichend sein. Deshalb wurde unter die massive Motorhaube zwischen die beiden nicht mehr ganz frei stehenden Radhäuser ein relativ kleiner Vierzylinder mit 1,4 Liter Hubraum eingesetzt. Er schickte anfänglich nur 40 PS über die Kardanwelle auf die Hinterachse. Keine Mordsleistung, aber bis zur Auslieferung des ersten PV444 war die überhaupt geplante Produktionsmenge von 8 000 Stück schon übertroffen. 10 000 Kunden wollten einen PV444 kaufen, viele davon hatten das Auto zuvor noch nie gefahren.
Insgesamt kam der PV444 bis 1958 auf 195 959 Einheiten und der sehr behutsam modernisierte Nachfolger führte die Form des schönen Buckels bis zum Oktober 1965 mit insgesamt 440 000 Stück in die weite Welt hinaus. 160 000 Einheiten allein schipperten in die USA, wo der Volvo schnell zum Lieblingsauto der etwas betuchteren Studenten und Surfer an der kalifornischen Küste wurde. Wer finanziell knapper situiert war, musste sich eben mit dem Beetle begnügen. Später übernahm der Volvo 240, vor allem als Kombi, die Rolle des intellektuellen Transportvehikels.
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