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11Test: Scott Axis eRide Evo - Das Never-Stopp-Pedelec
Für Alltag und Gelände: Das Scott Axis eRide Evo ist besonders vielseitig Foto: SP-X/Mario Hommen
Pedelec
Mario Hommen/SP-X - 21. Juli 2020, 13:25 Uhr Pedelec

Test: Scott Axis eRide Evo - Das Never-Stopp-Pedelec

Breit, stark und komfortabel: Das Axis eRide Evo von Scott ist ein nobel ausgestattetes E-Bike für so ziemlich jeden Einsatzzweck. Im Gelände kann der Allrounder deutlich mehr als normale Pedelecs.   

Mittlerweile sind SUV auch im Pedelec-Bereich auf dem Vormarsch. Doch anders als mit den derzeit gefragten Pseudo-Offroadern auf vier Rädern kann man sich mit diesen auch wirklich ins Gelände wagen. Wie etwa mit dem Axis eRide Evo von Scott, das nicht nur dank seiner Mountainbike-Gene als Bergfex taugt, sondern sich zugleich als multitalentierte Allzweckwaffe für so ziemlich jedes andere Nutzungsszenario empfiehlt.

Das Axis eRide ist eine stattliche Erscheinung, der man sofort das gehobene Ausstattungs- und Kompetenzniveau ansieht. Imposant ist das mächtige Unterrohr der Alurahmenkonstruktion, das einen 625-Wh-Riesenakku von Bosch in sich trägt. Und damit wären wir bereits beim Antriebssystem, welches die 75 Newtonmeter starke Topmaschine Performance Line CX mit Kettenantrieb, Zwölfgangschaltung (Shimano XT) und dem kleinen wie feinen Kiox-Bediendisplay kombiniert. In Hinblick auf Leistung und Reichweite ist diese Kombination die überzeugendste Lösung aus dem Hause Bosch.

Auch beim Fahrwerk hat Scott in feine Komponenten investiert. Während das Vorderrad zwischen einer Luft-Öl-Gabel von Suntour steckt, wird zentral über dem Motor das Scott-eigene ,,Fox Nude"-Dämpfer von der Hinterradaufhängung angelenkt. Für den Asphalteinsatz wirkt das Fahrwerk mit 13 Zentimeter Federweg zunächst etwas weich und nachgiebig. Scott hat allerdings sein Twinloc genanntes System zur spontanen Änderung des Federungswegs eingebaut. Am linken Lenkergriff muss man lediglich einen Hebel mit dem Daumen drücken, um eine von zwei Luftkammern zu schließen, was mit einem deutlich verkürzten Federweg einhergeht. Drückt man den Hebel ein weiteres Mal, ist der Federweg sogar blockiert. Letzteres kann zum Beispiel hilfreich bei steilen Anstiegen auf Schotter sein, denn mit aktivierter Sperre gibt es maximale Traktion. Der Komfort bleibt dann jedoch auf der Strecke. Der maximale Federweg empfiehlt sich hingegen vor allem für Abfahrten auf unebenem Terrain. Entsprechend kann die variable Fahrwerkstechnik vor allem in harten Offroad-Einsatz Vorteile ausspielen. Für den urbanen Fahrradalltag reicht in der Regel die mittlere Einstellung.

Auch der Bosch-Antrieb bietet mehrere Fahrstufen, doch angesichts des Riesenakkus sind wir stets im spritzigen Turbomodus unterwegs. Nach wenigen Pedalumdrehungen stehen die 25 km/h auf dem fein auflösenden Kiox-Display. Für ein Fahrrad ist das schon flott, doch fühlt sich dieses Tempo auf dem Axis nach weniger an. Erst wenn man locker an anderen Radfahrern vorbeizieht, glaubt man die angezeigte Höchstgeschwindigkeit, die auf diesem Rad ruhig bei 30 oder 35 km/h anliegen dürfte. Um die zu erreichen, muss man Muskelkraft einsetzen, wozu dieses Pedelec allerdings nicht so recht animiert. Die souveräne Kraft des CX-Motors reicht ohnehin für alle Lebenslagen. Das gilt in besondere Weise an Steigungen, für welche die präzise XT/SLX-Schaltung eine stets passende Übersetzung bereithält, um auch bergauf mit Maximaltempo weiterfahren zu können.

Ebenfalls mit maximaler Geschwindigkeit kann man über Bordsteine oder holperige Strecken brettern. Während man mit normalen Rädern an solchen Passagen vorsichtig wird, nimmt man auf dem Axis mit seinem schluckfreudigen Fahrwerk und den voluminösen G-One Allroundreifen von Schwalbe viele Hindernis gar nicht als solche wahr. Darüber hinaus vermitteln die großdimensionierten, hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano sowie der extrabreite Lenker ein hohes Maß an Kontrolle. Ein ebenfalls sicheres Gefühl vermittelt das Bike, wenn man mit ordentlich Schräglage um Ecken fegt.

Auch in puncto Reichweite ist das Scott-Pedelec über jeden Zweifel erhaben. Selbst in der höchsten Unterstützungsstufe prognostiziert der Bordcomputer 110 Kilometer Reichweite, die praktisch dann auch so zur Verfügung stehen. Ein Zweitakku ist also eigentlich überflüssig. Die Batterie lässt sich übrigens nach kurzem Schlüsseldreh problemlos aus ihrem Rahmenversteck zum Laden herausnehmen. Mit dem mitgelieferten 4A-Lader ist der Akku nach rund 5 Stunden wieder voll. Das ganze Bike zum Beispiel über Treppen zum Laden an eine Steckdose zu tragen, ist angesichts von rund 26 Kilogramm jedenfalls kein Vergnügen.

Vor allem Pendler mit längeren Arbeitswegen sowie Reiselustige soll das Axis eRide Evo ansprechen, weshalb es auch gleich eine für den Alltagseinsatz starke Ausstattung bietet. Dazu gehören Schutzbleche, Seitenständer, ein Supernova-M99-Minischeinwerfer sowie ein an den mit 15 Kilogramm nur mäßig belastbaren Racktime-Gepäckträger montiertem LED-Rücklicht. Alles ist smart und sauber in dem tadellos verarbeiten E-Bike integriert. Wenig überraschend ist das vollständig ausgestattete Axis eRide Evo nicht ganz billig: Rund 5.000 Euro verlangt Scott für sein Einspur-E-SUV. Das klingt nach viel, doch im Gegenzug kann es, anders als zweispurige SUV, auch wirklich überall hin.

Dieser Artikel aus der Kategorie Pedelec wurde von Mario Hommen/SP-X am 21.07.2020, 13:25 Uhr veröffentlicht.