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Formel 1 in Corona-Zeiten:
mid Groß-Gerau - Die Formel 1 hat es durch die Corona-Saison geschafft. Daimler
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Andreas Reiners - 15. Dezember 2020, 09:50 Uhr MOTORSPORT

Formel 1 in Corona-Zeiten: "Wir haben überlebt"

Sportlich hat die Formel 1 in der Corona-Saison 2020 nur wenig Abwechslung geboten. Dafür hat die Königsklasse erfolgreich ums Überleben gekämpft. Einige Probleme werden aber wohl auch 2021 bleiben.


Auf den ersten Blick herrscht Normalität. Business as usual. Es ist eben zur Gewohnheit geworden, wenn in der Formel 1 am Ende ein Mercedes gewinnt, in dem Lewis Hamilton sitzt. Der Brite hat Legende Michael Schumacher in Rennsiegen (95 : 91) überholt, in WM-Titeln ist er mit nunmehr sieben mit Schumacher gleichgezogen. Sportlich war die Formel 1 im Jahr 2020 abgesehen von vereinzelten Ausreißern nach oben leider unter dem Strich so langweilig wie in den Vorjahren.

Das Übliche also? Von wegen! Denn die Formel 1 ist mit Glück und Können durch ein Krisenjahr gekommen, das alles andere als normal war. Denn das ist der zweite Blick: Am Ende können die Beteiligten froh sein, dass Rennen gefahren werden konnten, dass tatsächlich eine WM über die Bühne ging.

Zwei positive Corona-Fälle gab es unter den Fahrern, mit Hamilton zum Abschluss einen äußerst prominenten. Wie ein mahnender Zeigefinger in einer Zeit, in der überall wieder die Infektionszahlen in die Höhe schießen und Lockdowns beschlossen werden. Nach dem Motto: Niemand ist unverwundbar. "Covid ist kein Witz", sagte Hamilton, der rechtzeitig zum Saisonfinale in Abu Dhabi wieder fit war: "Habe ich von Anfang an nie gedacht, als das alles zu Beginn des Jahres angefangen hat. Ich fand es immer befremdlich, wenn sich die Führer der Welt darüber lustig gemacht haben. So, als wäre das nichts." Er fühle sich zerstört und nicht gut, sagte der Brite.

Doch in der heutigen Zeit war eine Pause oder gar eine Absage kein Thema. 17 Rennen packten die Macher der Königsklasse deshalb in eine Saison, die für viele Teams ein Kraftakt und Überlebenskampf war. Die Vorkehrungen der Formel 1 waren vorbildlich, aber klar: Über allem stand der berühmte Slogan "The Show must go on". Sebastian Vettel dachte vor allem auch die Crews, die an der Grenze der Belastbarkeit arbeiteten. "Es war eine sehr, sehr harte Saison für alle Beteiligten, so viele Rennen in so kurzer Zeit, am Ende nochmal drei in Folge, um uns den Rest zu geben", sagte er.

Doch für die Teams war die Saison wichtig. "Wir haben überlebt", fasst Haas-Teamchef Günther Steiner die Situation vieler Teams in diesem Jahr zusammen, es habe schließlich "eine große Chance" gegeben, dass wir nicht mehr hier wären". Denn in einer Saison ohne Zuschauer blieb als Einnahmequelle nur das TV-Geld, und das gab es nur bei einer bestimmten Anzahl an Rennen.

"Wir als Formel-1-Gruppe haben alles in unserer Macht stehende getan, um sicherzustellen, dass die Teams überleben konnten", sagt Ross Brawn, Sportdirektor der Königsklasse. Man müsse aber "so schnell wie möglich zum normalen finanziellen Niveau zurückkehren".

Deshalb wurden für 2021 satte 23 Rennen in einen neuen Rekord-Kalender gepackt. In eine Saison, die mindestens zu einem Großteil immer noch unter Corona-Bedingungen über die Bühne gehen wird. "Ich bin noch nicht sicher, wie wir diesen Kalender angehen wollen", sagte Sebastian Vettel, der sich eine "vorsichtige" Planung gewünscht hätte: "Dass wir aus diesem Jahr lernen. Und nicht einfach weitermachen."

Denn Normalität herrscht nur auf den ersten Blick. Auch 2021.

Andreas Reiners / mid

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Andreas Reiners am 15.12.2020, 09:50 Uhr veröffentlicht.